21.12.2021 10:32 |

Obersteiermark

Paar festgenommen: 60.000 Euro im „Netz“ erbeutet

Auf Internetbetrug hat sich ein Paar (er 31, sie 33) spezialisiert und damit Schaden in ganz Österreich angerichtet. Jetzt war in Liezen Schluss mit lustig: Beamte der obersteirischen Polizeiinspektion konnten den Betrügern das Handwerk legen.

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Ein 31-jähriger Deutscher und eine 33-jährige Österreicherin begingen seit gut einem Jahr im gesamten Bundesgebiet Straftaten. Neben gewinnbringende Strafhandlungen durch Vorauszahlungs-, Bestell- und Einmietbetrug, „spezialisierte“ sich das Paar auch auf Internetbetrug.

Teure Handys verkauft
Dabei boten sie auf diversen Plattformen (Facebook Marketplace, Willhaben, Shpock) Spielekonsolen und hochwertige Mobiltelefone zum Verkauf an. Diese beschaffte das Paar durch zahlreiche, mit falscher Identität abgeschlossene Mobilfunkverträge.

Vorsicht vor „Money Mules“
Bei einem Verkauf auf den Plattformen wurde der Zahlungstransfer dann über sogenannte „Money Mules“ abgewickelt. Die Kontoinhaber stellten dafür ihren IBAN teilweise wissentlich, teilweise unter Vortäuschung falscher Tatsachen zur Verfügung.

Auf frischer Tat ertappt
Im September begannen Beamte der Polizeiinspektion Liezen erstmals mit Ermittlungen wegen Internetbetrugs durch unbekannte Täter, nachdem mehrere diesbezügliche Anzeigen erstattet worden waren. Am 2. Dezember führte schließlich die Anzeige eines Ferienhausbesitzers die Polizisten auf die Spur des Paares: Als ein 46-Jähriger in seinem Ferienhaus nach dem Rechten sehen wollte, bemerkte er im Mietauto des Paares zahlreiche Gegenstände (Bücher, Bilder, Mobiliar) aus seinem Haus.

Falsche Identität
Der Mann stellte das Paar, das sich unter falschen Namen eingemietet hatte und kurz vor der Abreise stand, zur Rede und verständigte die Polizei. Daraufhin ergriff das Paar zu Fuß die Flucht und lief in einen angrenzenden Wald.

Welpe noch nicht bezahlt
Polizisten konnten schließlich durch rasches Zusammenführen bisheriger Erkenntnisse die Identität der beiden ermitteln sowie durch kriminalistischen Spürsinn den Aufenthaltsort des Paares ausforschen. Noch am selben Tag konnten beide, nachdem sie sich abermals unter falschen Namen eingemietet hatten, in einer Unterkunft im Bezirk Liezen festgenommen werden. Im Zimmer befand sich auch ein Hundewelpe, für den das Paar bisher nur die Hälfte des Kaufpreises bezahlt hatte.

Betrügerpaar geständig
Beide zeigten sich zu den Tatvorwürfen umfassend geständig und wurden über Anordnung der Staatsanwaltschaft Steyr in eine Justizanstalt - der 31-Jährige nach Garsten, die 33-Jährige nach Linz eingeliefert. Als Motiv gaben beide Geldprobleme an. Die bisherige Schadenssumme beläuft sich auf mindestens 60.000 Euro.

Die Polizei warnt
Die Exekutive warnt in diesem Zusammenhang vor Angeboten als Finanzagent (Englisch: Money Mules). Ein Finanzagent oder Money Mule ist eine Person, die von Kriminellen angeworben wird, um illegal erlangte Gelder zu waschen. Dem Finanzagenten wird dabei ein Geldbetrag auf sein Konto überwiesen. Dann wird er aufgefordert diesen Geldbetrag entweder weiter zu überweisen oder abzuheben. Als Bezahlung darf sich die Person eine vereinbarte Gebühr einbehalten. Sofern eine Barbehebung gefordert wird, wird entweder ein Treffen mit einer unbekannten Person vereinbart, die das „gewaschene“ Geld entgegennimmt oder der Finanzagent wird aufgefordert das Geld via Post zu versenden.

Vorsicht bei Jobangeboten
Häufig erfolgt die Rekrutierung von Money Mules durch seriös wirkende Jobangebote auf Internetseiten, via soziale Medien, via Spam-Mails oder über Messenger Dienste. Oftmals sind die Money Mules im Unwissen der eigentlichen Straftat. Sie werden lediglich für den Transfer der „schmutzigen“ Gelder rekrutiert. Diese Handlung kann jedoch bereits den Tatbestand der Geldwäsche nach dem österreichischen Strafgesetzbuch erfüllen.

Präventionstipps
+ Seien Sie auf der Hut, wenn schnelles Geld versprochen wird. Niemand hat etwas zu verschenken!
+ Kontrollieren sie (Job-)Angebote genau. Achten sie auf Adresse, Telefonnummer, E-Mailadresse und Webseite.
+ Geben Sie niemals Kontodaten oder andere persönliche Daten an unbekannte Dritte weiter.

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