Weihnachtssatire

Zum Schmunzeln: „elektrosüchtig“ im Advent

Eine vorweihnachtliche Geschichte zum Schmunzeln als kleiner Lichtblick im tristen vierten Lockdown: „Wie der Meier Sepp elektrisch Weihnachten feiern wollte“.

Der Meier Sepp liebt alles, was elektrisch ist. Er ist Elektromeister, und drum sagen viele, die ihn kennen, nur „Elektro-Sepp“ zu ihm. Die Adventzeit macht ihm immer besonders großen Spaß. Erstens geben die Häuslbauer endlich mal eine Ruh und quälen ihn nicht dauernd mit Sonderwünschen. Im Dezember kommen die Kunden, die dieselbe Leidenschaft wie der Sepp haben. Im Dezember, wenn’s in der Früh nicht mehr so richtig hell wird und der Abend schon am Nachmittag anfängt, in dieser fast totalen Finsternis, die einem so auf das Gemüt schlägt, dass man schon zum Frühstück zu viel Kekse frisst und sich abends einen grauslichen Punsch reinschüttet. Im Dezember halt, da leuchten beim Elektro-Sepp nicht die Kinderaugen, da leuchtet die ganze Bude. Er hat drei Rentierschlitten, sieben Engel, fünf Weihnachtssterne und zehn Christbäume. Alles mit Glühbirndln, LED-Lamperln und Leuchtstoffröhren bestückt.

Pünktlich am 1. Dezember . . .
Pünktlich am 1. Dezember ist rund ums Haus vom Sepp auch mitten in der Nacht alles taghell. Die Nachbarn sind nicht so richtig begeistert, aber sie nehmen’s in Kauf. Es dauert eh nur vier Wochen, und der Sepp ist ein guter Nachbar. Und wenn der Rudi nebenan im Sommer bis Mitternacht die Autos seiner Freunde herrichtet, dann sagt der Sepp auch nichts, obwohl dem Rudi sein Freundeskreis verdammt groß ist.

Geduldige Ehefrau
Die Hilde ist die Frau vom Sepp. Sie hat ein dickes Fell, mindestens wie ein Seehund. Und sie mag ihren elektrosüchtigen Mann, drum erträgt sie seinen jährlichen Beleuchtungsfimmel und trägt im Advent abends Sonnenbrille. Die Tochter, die Susi, die ist da nicht so leidensfähig. Sie sagt immer: „Mama, Papa, seid’s mir nicht bös, aber wir sehen uns erst zur Bescherung wieder. Ich hol mir doch keinen Sonnenbrand bei euch.“

Bis die Zahnbürste dampft
Diesmal wollte der Sepp seiner Hilde eine besondere Freude machen. Sie hat nämlich solche Angst, dass der Christbaum abbrennen könnte. Deshalb putzt er den Baum mit LED-Lamperln auf. Grad wie sie mit der Bescherung anfangen, drückt Sepp auf die Fernbedienung, doch irgendwas geht schief: Die Zahnbürste beginnt zu dampfen, der Dampfgarer rotiert, das durchelektrifizierte Haus dreht durch. Bis es der gutmütigen Hilde reicht. Sie reißt ihrem Mann die Fernbedienung aus der Hand, nimmt die Batterien raus und sagt zur Susi: „Schalt doch mal alles ab!“ Dann wird bei echtem Kerzenschein gefeiert. Alle sind froh, dass es so besinnlich ist, nur der Sepp ist ein bisserl geknickt. Nächstes Jahr, da macht er im Dezember Urlaub in der Karibik.

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