06.12.2021 07:30 |

Manfred Komericky

Früherer Cobra-Chef: „Das war die schönste Zeit“

Nach 42 Dienstjahren ist Vize-Polizeidirektor Manfred Komericky im Ruhestand. Er blickt zurück auf die Flüchtlingskrise in Spielfeld, auf gefährliche Einsätze bei der Cobra und auf die große Unterstützung durch seine Familie.

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„Krone“: Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie nach Ihrem Abschied nach Hause gekommen sind?
Manfred Komericky:
Eines muss ich wirklich sagen: Meine Frau ist für mich immer ein Joker gewesen. Sie kennt mich ja seit meinem ersten Tag als Polizist, und sie hat immer gesagt, mach das, was du glaubst, dass du machen willst. Ich bin ja nach Wien gegangen und zur Cobra und und und. Und wir haben zwei Kinder. Aber meine Frau war immer tiefenentspannt und hat das alles mitgetragen: „Wenn dir das taugt und du dir das einbildest, dann mach es.“ Und jetzt ist es beendet, und sie sagt: „Es ist gut für dich.“ Weil sie an mich denkt, an meine Gesundheit. Ich hab ja noch immer den Job als Kalsdorfer Bürgermeister.

War das Aufwachen ohne Polizeidienst anders?
Nein, ich denk mir, der spezielle Tag war, als ich meinen Dienstausweis, meine Waffe und meinen Schlüssel hingelegt habe. Und dann das Verlassen der Dienststelle (Polizisten standen Spalier, als der Generalmajor vom Hof fuhr, Anm.), das war ein ganz, ganz emotionaler Zeitpunkt. Aber ich hab mich wirklich die letzten Wochen auf diesen Moment vorbereitet und langsam abgeschlossen.

Aber ist es ungewohnt?
Es ist wie im Urlaub. Die ersten Tage schaust du noch öfter aufs Handy, ob es eine Nachricht gibt oder so. Aber dann wird alles schön langsam Normalität. Auch wenn es noch hier und da einen Kontakt geben wird. Aber ich hab das bei Vorgängern und Kollegen gesehen, es geht immer weiter. Und du kannst hinten nichts anhängen. Ich glaub, das passt jetzt alles gut, so wie es ist.

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Als ich Dienstausweis, Waffe und meinen Schlüssel hingelegt und die Dienststelle verlassen habe, das war wirklich ganz, ganz emotional.

Manfred Komericky

Wo kommt Ihre schöne Uniform hin?
Das ist noch eine Diskussion mit meiner Frau. Aber sie wird auf jeden Fall ordentlich gepflegt und geputzt und versorgt.

Aber sie wird nicht mehr angezogen?
Nein, das glaube ich nicht. Aber ich bin mit meinen Dingen sehr verbunden, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Ob das die Uniform ist oder ob das dienstliche Unterlagen oder mediale Erinnerungen sind.

Den schwarzen Cobra-Overall gibt es auch noch?
Natürlich. Die Cobra war sicher die schönste Zeit. Weil bei der Cobra nur Leute sind, die wirklich dort sein und die das auch machen wollen. Und wo eine besondere Kameradschaft ist. Schon bei meiner Ausbildung war schnell klar, über der Cobra kommt nichts mehr. Du musst für alles vorbereitet sein. Du bist die letzte Instanz. Und da hab ich wirklich tolle Leute kennengelernt. Jeder konnte sich auf jeden verlassen.

Welcher Einsatz kommt Ihnen als erster in den Sinn?
Der 2009 in St. Marein im Mürztal. Wo einer vorgab, eine Autostopperin entführt zu haben. Und sagte, er hat Sprengstoff und lässt die Bomben hochgehen, wenn wir reinkommen. Und dann entschied die Behörde, weil es schon so lange dauerte, dass wir reingehen. Ich erinnere mich, meine Burschen waren alles keine Stillen, hatten immer einen Schmäh auf den Lippen. Aber da waren sie ganz ruhig. Und ich erinnere mich, dass wir Kameras hatten, aber keinen Ton. Und dann seh ich, wie sie über die Leitern raufklettern zu den Fenstern, und in dem Moment raucht es raus. Ich hab mir gedacht, jetzt ist es soweit, jetzt hab ich sie alle in den Tod geschickt. Es war wirklich ein ganz schlimmer Moment. Aber er hat sich zum Glück in eine unglaubliche Erleichterung gewandelt (es war keine Bombe, Anm.) und in Stolz, dass die Burschen einfach weitergegangen sind. Da hat keiner gezuckt, die sind einfach hinein. Und ich dachte mir, ihr seid Helden.

Stichwort Flüchtlingskrise im Jahr 2015: Sie waren damals ja einer der „Krisenmanager“. Was sind Ihre Erinnerungen?
Es hat ja geköchelt, täglich hat man damit gerechnet, dass etwas passiert. Dann hieß es plötzlich, es sammeln sich immer mehr Migranten an der Grenze, der Druck wird immer größer. Also wollte mir gleich vor Ort ein Bild machen. Und auf einmal sind da Tausende und dann das Geschrei. Ich hab ja wirklich viele Einsätze gehabt, aber da war ich momentan wirklich „geflasht“.

Wie ging es weiter?
Die Frage war: Was tun wir jetzt? Und da war sicher mein Vorteil, dass ich immer konzentrierter werde, je schwieriger eine Situation ist. Also habe ich versucht, eine Konstante für meine Mitarbeiter zu sein. Ich musste Lösungen anbieten, damit wir diese Sache meistern. Und ich hatte ein tolles Team. Wovor ich auch große Hochachtung hatte und habe, war vor dem Bundesheer. Sie hatten Leute da, die durch Auslandseinsätze viel Erfahrung hatten. Insgesamt, muss ich sagen, war die Zusammenarbeit von Polizei, Bundesheer, Rotem Kreuz und Politik perfekt. Vertrauensvoll und immer auf Augenhöhe.

Fakten

Manfred Komericky trat 1979 als Sicherheitswachebeamter in die Bundespolizeidirektion Wien ein. Nach einer Station in der Polizeiinspektion Graz-Karlauerstraße absolvierte der Steirer den Offizierskurs. Er war u. a. Projektassistent im Innenministerium, Kommandant des Grazer Polizeigefangenenhauses, Adjutant des Zentralinspektors der Sicherheitswache, Kommandant der Einsatzabteilung und schließlich 2002 Chef des Einsatzkommandos Cobra, ehe er 2012 stellvertretender Polizeidirektor in der Steiermark wurde.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Ich wünsche meinem Nachfolger, dass er mehr Handlungsfreiheiten hat als ich, um die steirische Polizei ein bisschen autonomer an die regionalen Bedürfnisse anzupassen. Ein bissl weniger Zentralismus und ein bissl mehr den steirischen Weg wären gut.

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