27.11.2021 07:00 |

Bierkultur

In der Steiermark braut sich etwas zusammen

Ein echter Steirer trinkt Gösser, Puntigamer oder Reininghaus. Dieses „Reinheitsgebot“ hat zwar nach wie vor seine Gültigkeit, man müsste es jedoch erweitern - denn in den letzten Jahren sind zahlreiche kleine Brauereien neu auf den Markt gekommen. Eine Bestandsaufnahme.

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Das Bier-Brauen hat in der Steiermark eine lange Tradition. Die drei Großbrauereien der Brau Union in Graz-Puntigam (wo neben Puntigamer seit 1947 auch Reininghaus abgefüllt wird), Leoben-Göss (Gösser)und Schladming (Schladminger) sind bei Weitem nicht die einzigen. Es gibt mittlerweile auch mehr als 40 Kleinbrauereien (siehe auch Grafik unten).

Craft Beer, also Bier, das nicht großindustriell, sondern handwerklich (so die Übersetzung aus dem Englischen) produziert wird, ist seit einigen Jahrenin aller Munde - und auch hierzulande ist man auf den Geschmack gekommen.

Einer dieser Bier-Handwerker ist Wolfgang Dietrich. Seit 2008 betreibt er - justament an der südsteirischen Weinstraße - die Brauerei Leutschach. „Naturbierhersteller, so wie ich, bereiten das Bier nicht auf -soll heißen, es gibt keine Kurzzeiterhitzung, keine Filtration. Damit habe ich natürlich eine verkürzte Haltbarkeit, das Bier sollte daher am besten frisch getrunken werden“, erklärt er.

Dafür bekommt man ein wahres Geschmackserlebnis.Neben den Stammsorten - ein helles Lager-Bier, ein dunkles Ginseng-Bier und ein Wein-Bier, eine lokale Spezialität, die gemeinsam mit Winzer Erwin Sabathi kreiert wurde - gibt es bei Dietrich je nach Saison Bock-Bier, Maroni-Bier, Kürbis-Bier, Kren-Bier und Gin-Bier (mit Stin, einem steirischen Gin). Zudem braut erPale Ales. Eines dieser Biere schmeckt nach Mango und Maracuja. „Es gibt 300 verschiedene Hopfenaromen“, gerät Dietrich geradezu ins Schwärmen.

Derzeit noch ein Nischenprodukt
Erhältlich sind die Craft-Bierevor Ort, also quasi ab Hof, inder Gastronomie und im Fachhandel. „In Graz gibt es zum Beispiel die Bierboutique amLendplatz, die ein riesiges Sortiment hat und auch Verkostungenanbietet“, so Dietrich. Auch in Supermärkten gibt esmittlerweile eigene Regale- aber leider mit wenig Flaschen heimischer Herstellern, am stärksten ist noch Gratzer-Bier vertreten.

Um den Craft-Bierendie Schaumkrone aufzusetzen, braucht es also eine bessere Vermarktung. Dietrich ist auch Obmann von Steirerbier, einem Zusammenschluss von mittlerweile zwölf Brauereien. „Es geht unsdarum, die Geschmacksvielfalt der steirischen Biere bekannt zu machen.“Die Kleinbrauereien haben aktuell nur einige wenige Prozent Marktanteil.

Übrigens: Noch ein Dietrich ist kürzlichunter die Bierbrauer gegangen - nämlich Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Er hat die Heilquelle im obersteirischen Thalheim gekauft und dort eine Brauerei hingestellt.

Mit seinen annähernd 70 Härtegraden ist dasWasserzum Brauen eigentlich ungeeignet. Vor allem beim Pils wird normalerweise besonders weiches Wasser verwendet. Wie genau er das Kunststückdennoch hingekriegt hat, will Braumeister Koloman Strohmeier nicht verraten, nur soviel: „Wir greifen tief in die Trickkiste hinein.“ Zur Sicherheit hat er seine Methode sogar patentieren lassen. Das Thalheim Bier istsüffig und hat auch eine besondere Nebenwirkung: Durch die hohe Mineralisation des Wassers hat eseine Art natürlichen Alka-Seltzer-Effekt.

Hopfen und Malz „made in Styria“
Hopfen und Malz ist in der Steiermark nicht verloren - nicht nur sprichwörtlich. In Leutschach wird Hopfen angebaut. „Es gibt13 Hopfenbauern, die Anbaufläche beträgt mittlerweile 100 Hektar“, sagtGerald Pronegg, der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft steirische Hopfenbauern.

Der Hopfen aus der Steiermark darf jedochnicht „steirischer Hopfen“ genannt werden - das ist nämlich eine „g.g.A“, eine geschützte geografische Angabe, die sich die Untersteiermark, alsoSlowenien, gesichert hat.

Und: Auf den Grazer Reininghausgründen steht dieMälzerei der Firma Stamag - sozusagen das letzte Überbleibsel der einst dort befindlichen Bier-Industrie. Die Steiermark war, ist und bleibt eben ein Bierland!

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