23.11.2021 16:00 |

Neues Philosophiebuch

„Mutig denken. Aufklärung als offener Prozess“

Marie-Luisa Frick wurde im Jahre 1983 in Lienz geboren, sie studierte Philosophie und Rechtswissenschaften. Die assoziierte Professorin an der Universität Innsbruck forscht und lehrt auch am dortigen Institut für Philosophie. Im September 2020 erschien im Reclam-Verlag ihr zweites Buch mit dem Titel „Mutig denken. Aufklärung als offener Prozess“.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Unter diesem Motto, welches Immanuel Kant 1784 zur Devise der Aufklärung erklärte, fühlen sich immer mehr Menschen bemüßigt, sich für ein rechtes Weltbild stark zu machen und gegen vermeintliche Eliten zu „kämpfen“. Wie konnte der Leitspruch der Aufklärung zur Parole von Populisten werden? In dem 176 Seiten starken Hardcover-Band „Mutig denken. Aufklärung als offener Prozess“ rufen laut der renommierten Tiroler Philosophin die Corona-Pandemie und der globale Terror die Ideale der Aufklärung wieder auf den Plan und stellen gleichzeitig auch die Demokratie hart auf die Probe.

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Werden wir jemals zurückkehren in jenes Zeitalter vor dem Zusammenbruch globaler Mobilität und relativen Wohlstands in weiten Teilen dieser Welt?

Marie-Luisa Frick

Plädoyer für die Werte der Aufklärung
So meint sie in ihrem Vorwort: „Werden wir jemals zurückkehren in jenes Zeitalter vor dem Zusammenbruch globaler Mobilität und relativen Wohlstands in weiten Teilen dieser Welt? In unbefangene Begegnungen in öffentlichen Räumen? Werden wir wissen, in welchem Ausmaß wir es im Zusammenhang mit Covid-19 mit einer Naturkatastrophe oder einer Kulturkatastrophe zu tun hatten? Wie lange wird diese Krise währen? Niemand kann das heute sagen. Die Beschäftigung mit dem Denken der Aufklärung kann in diesem Zusammenhang eine Anregung sein, viele der brennendsten Probleme wenigstens besser verstehen zu versuchen. Sie kann auch trösten, indem sie uns verbindet mit Menschen, die in ihrer Zeit mit unvorstellbaren Schrecken, Umwälzungen und Erneuerungen zurande kommen mussten. Die sich nicht teilnahmslos dem Schicksal überantworten wollten, sondern sich als zum Handeln und Selbstdenken Verurteilte verstanden haben.“

Der oft harte Weg zum eigenständigen Denken
Eigenständig denken, kritisch urteilen, verantwortlich handeln: Auf diese Anlagen gründete die Philosophie der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert ihre Vorstellung von einem mündigen Mitglied der Gesellschaft. Das Menschenbild eines derart selbstständigen Individuums war die Antwort auf bedeutende Umbrüche im Selbst- und Weltverständnis. Aber die Aufklärung soll nicht als „Erbe“ betrachtet werden. Mutiges, soziales und eigenständiges Denken müssen immer wieder neu erarbeitet und immer wieder neu entdeckt werden. Dies stellt harte Arbeit dar, die zudem damit verbunden ist, sich selbst immer wieder die Frage zu stellen: „Liege ich irgendwo falsch, habe ich etwas übersehen?“ Das bedeutet nicht einfach, etwas wiederzugeben, was man irgendwo gehört, in einem sozialen Netzwerk gelesen oder was man in einem Internet-Video gesehen und gehört hat.

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Die Zukunft des Humanismus liegt zwischen Verzagtheit und Übermut.

Marie-Luisa Frick

Marie-Luisa Frick am 26. November im Livestream
Es implementiert, nicht immer nur bei anderen die Fehler zu suchen, sondern auch, sich selbst infrage zu stellen. Oder wie Frick es ausdrückt: „Die Zukunft des Humanismus liegt zwischen Verzagtheit und Übermut.“ Im Kufsteiner Nachtgespräch am 26. November wird Marie-Luisa Frick im Livestream über Menschenrechte zur Zeit der Pandemie referieren.

Hubert Berger
Hubert Berger
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