03.11.2021 15:20 |

Fast 900.000 Euro weg

Betrug im Bordell: Vier Personen vor Gericht

Ein ehemaliger Bordellbesitzer, eine Kellnerin und zwei weitere Männer sind am Mittwoch in Graz wegen schweren Betrugs vor Gericht gestanden. Laut Anklage sollen die vier einem Gast im Animierlokal weit überhöhte Preise verrechnet haben und dann zur Absicherung einen Eintrag in Grundbüchern von Liegenschaften verlangt haben. Die Beschuldigten streiten das ab, es habe sich um Darlehen „unter Freunden“ gehandelt. Es war „fast eine Puff-Familie“, meinte ein Verteidiger.

Es ist eine komplizierte Geschichte, die sich in dem Bordell zugetragen haben soll. Anklage und Verteidigung stellen sie am Mittwoch vor Gericht recht kontrovers dar. Staatsanwältin Gertraud Pichler ist überzeugt, dass der Bordellbesitzer (51) und seine mutmaßlichen Komplizen auf die Häuser eines Landwirts, der Stammgast war, ein Auge geworfen hatten. Also erlaubten sie ihm, im Lokal anschreiben zu lassen.

Plötzlich standen auf der Rechnung 870.000 Euro - was er nie und nimmer konsumiert haben könne, war der Gast überzeugt. Das Opfer unterschrieb auch seine angeblichen Konsumationen, aber das reichte dem Bordellchef nicht. Er wollte „zur Absicherung“ ins Grundbuch bezüglich dreier Liegenschaften gehen, und der Mann willigte ein.

Schließlich verkaufte ihm der Lokalchef auch noch die Gesellschaft, die das Bordell betrieb, aber keineswegs das Haus und das Grundstück, wie der gutgläubige Landwirt annahm. Für eine GmbH im Wert von 29.000 Euro musste der Käufer 800.000 Euro zahlen - in Form eines Pfandrechts, das wieder im Grundbuch eingetragen wurde. Bei einem zweiten Gast soll etwas Ähnliches gelaufen sein, auch bei ihm ging der Bordellbesitzer ins Grundbuch, die Wohnung des mittlerweile Verstorbenen bekam schließlich der vierte Angeklagte (59).

Beschuldigte streitet Straftaten ab
Die Beschuldigten leugneten großteils diese Taten, das sei alles nur vom Landwirt erfunden. Er soll sich vom Bordellbesitzer Geld geborgt haben. „Sie werden sehen, die Grenzen verschwimmen, wer Freund und wer Feind ist“, bemerkte einer der Verteidiger in Richtung Schöffen. Die Konsumationsschulden habe es nie gegeben, das seien alles Darlehen gewesen.

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Sie werden sehen, die Grenzen verschwimmen, wer Freund und wer Feind ist.

Ein Verteidiger

Heftig kritisiert wurden seitens der Verteidigung die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Sachverständigen. „Schauen Sie sich das genau an, so kann man in die Fänge der Justiz geraten. Was da geschehen ist, weiß ich nicht“, meinte eine Verteidigerin.

Puff-Besitzer „fertig mit den Nerven“
Der Bordellbesitzer ist jedenfalls seit 2018 wegen dieser Geschichte arbeitsunfähig. „Ich bin mit den Nerven ziemlich fertig“, schilderte er. Die Richterin will nun in weiteren Verhandlungstagen dem wahren Sachverhalt auf die Spur kommen, ein Urteil wird für Ende November erwartet.

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