23.10.2021 06:00 |

Experten-Interview:

„Steirer haben die besten Weißweine der Welt!“

Der Weißwein-Nabel der Welt liegt für Stefan Potzinger in der Steiermark. Diese Botschaft über die Grenzen hinaus zu tragen, ist das große Ziel des neuen Weinbau-Präsidenten. Ob bio oder nicht, spielt für ihn keine Rolle.

„Krone“: Der steirische Wein hat in den letzten Jahrzehnten ungemein an Qualität und Popularität gewonnen. Was kann man sich da als neuer Weinbaupräsident überhaupt noch wünschen?
Stefan Potzinger: Meine Vision ist es, die Steiermark zu einer der berühmtesten Weißwein-Regionen der Welt zu machen; dass wir in einem Atemzug mit dem französischen Meursault oder etwa der deutschen Mosel-Gegend genannt werden.

Mehr eine Frage der Qualität oder des Marketings?
Das, was wir mit Stolz vor uns hertragen müssen, ist die Herkunft, das Terroir. Es gibt global viel weniger gute Weißwein- als Rotwein-Regionen. Dass wir in der Steiermark die allerbesten Voraussetzungen mitbringen, um weltweit als die Weißwein-Region zu gelten, müssen wir noch stärker nach außen tragen.

Woran würden Sie den Erfolg festmachen?
Schön wäre, noch mehr internationale Wettbewerbe zu gewinnen und auf allen Karten der weltbesten Restaurants gelistet zu sein.

Sie sagen, dass der steirische Wein ruhig noch teurer werden darf. Wann ist die Schmerzgrenze erreicht?
Wer gut bleiben möchte, muss kontinuierlich besser werden - davon bin ich überzeugt. Mit der Anhebung des Produktpreises muss logischerweise auch eine Steigerung der Qualität einhergehen. Einfach nur teurer werden, geht natürlich nicht.

Wie einfach ist es heute für ein steirisches Weingut angesichts steigender Grundstückspreise seine Anbauflächen auszuweiten?
Sich zu vergrößern, ist heute nicht unbedingt das Nummer-eins-Ziel eines Weinbauern. Schon allein deshalb nicht, weil der Arbeitskräftemangel mittlerweile eklatant ist. Ein guter Traktorfahrer ist ja schon schwerer zu finden als ein durchschnittlicher Formel-1-Fahrer.

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Ein guter Traktorfahrer ist ja schon schwerer zu finden als ein durchschnittlicher Formel-1-Fahrer

Winzer Stefan Potzinger

Sie sind in Gabersdorf im Herzen des steirischen Weinlandes zuhause. Wie beurteilen Sie den zuletzt immer stärker kritisierten Ausverkauf Ihrer Heimatregion?
Es stimmt einen schon nachdenklich, wenn junge Leute mittlerweile kaum mehr Chancen auf Eigentum haben. Deshalb bin ich auch dafür, dass man mit Zuzüglern etwa beim Grunderwerb anders umgeht als mit Einheimischen. Man könnte zum Beispiel reglementieren, dass der Kauf eines Hauses mit einem verpflichteten Hauptwohnsitz gekoppelt wird, so wie es in anderen Regionen ja bereits gemacht wird.

Nachwuchssorgen hat der Weinbauer heute nicht mehr.
Das stimmt. Dies ist auch ein entscheidender Faktor für die kontinuierlich wachsende Qualität unseres Weines. Durch den Nachwuchs bekommen wir neue Impulse, die Entwicklung bleibt dynamisch. Ein weiterer Erfolgsmotor ist unsere Weinbaufachschule in Silberberg.

Bio oder konventionell - ist das die Frage der Zukunft?
Wir haben in Österreich das strengste Weinbaugesetz weltweit, für mich ist wichtig, dass sich alle an die Regeln halten. Es soll jeder in Ruhe arbeiten können, so wie er das möchte. Gegenseitiges Schlechtmachen und Schwarz-weiß-Denken bringt niemanden weiter.

Die Ernte ist zu über 90 Prozent eingefahren, welche Parameter waren für die gute Qualität des heurigen Jahrgangs ausschlaggebend?
Durch den kühlen Frühling gab es einen späten Austrieb, die Blüte fiel recht kompakt aus, das Verhältnis zwischen Sonne und Niederschlag war im Juli und August ausgewogen, Probleme mit Hagel gab es nur kleinräumig. Zuletzt durften wir uns noch über einen Traumherbst mit warmen Tagen und kühlen Nächten freuen.

Hütet eigentlich jeder erfolgreiche Weinbauer ein Betriebsgeheimnis?
Nicht unbedingt. Aber jeder gute Winzer vertritt seine eigene Philosophie. Ebenso wichtig ist für jeden Weinbauern eine gute Mannschaft, diesbezüglich habe ich großes Glück.

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