Harter Alltag

Warum unsere Bauern oft den Hut draufhauen

Auf knapp 37.400 Bauernhöfen werden in NÖ das sprichwörtliche tägliche Brot sowie das Sonntagsschnitzerl produziert. Doch die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt kontinuierlich. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von strengen rechtlichen Anforderungen über geringes Einkommen bis hin zur harten Arbeit.

Um knapp zehn Prozent scheint die Zahl der bäuerlichen Betriebe zwischen Enns und Leitha seit 2010 zurückgegangen zu sein. Ob es tatsächlich so dramatisch ist, weiß man nicht. Denn die Kriterien der sogenannten Agrarstrukturerhebung wurden 2020 geändert, nur noch Höfe ab drei Hektar Grünland werden gezählt. Mag sein, dass dadurch mancher Kleinstbauer durch den statistischen Rost fällt. Doch dass Landwirte aufgeben, wird auch von der Standesvertretung bestätigt.

Vor allem Betriebe mit Viehhaltung sind davon betroffen. Von 21.400 Rinder- und Schweinebauern im Land sind zehn Jahre später nur noch 16.700 übrig, berichtet der Wirtschaftspressedienst. Bei der Landwirtschaftskammer führt man das auf gestiegene Anforderungen bei der Nutztierhaltung zurück: „Der damit verbundene finanzielle Aufwand wird nur selten abgegolten.“ Wie überhaupt die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte seit Jahren stagnieren oder sogar sinken. Dazu kommen die Folgen des Klimawandels, die Bauern unmittelbar zu spüren bekommen – Starkregen, Hagelschlag, Dürreperioden, Schädlinge.

Junge Generation lässt Landwirtschaft bleiben
Ablesen kann man das auch an der sinkenden Zahl von Winzern. Mehr als zwölf Prozent haben in den vergangenen fünf Jahren ihre Betriebe aufgegeben. „Betroffen sind vor allem Kleinbetriebe“, weiß Konrad Hackl vom Weinbauverband. Bemerkbar mache sich da ein Problem, mit dem auch die anderen landwirtschaftlichen Sparten zu kämpfen haben: „Die junge Generation arbeitet vermehrt in anderen Bereichen oder ist weggezogen. Es ist niemand da, der den Betrieb übernimmt.“ Immerhin gibt es im Weinbau auch eine beruhigende Nachricht, denn die Anbauflächen sind nur marginal zurückgegangen. „Wenn ein Winzer aufhört, verkauft oder verpachtet er seine Gründe an andere Weinbauern“, erklärt Hackl. Das sei wichtig, weil brachliegende Flächen anfällig für Pflanzenkrankheiten sind.

Auch wenn sie immer weniger werden, machen die heimischen Bäuerinnen und Bauern einen großartigen Job. Versorgte ein Landwirt 1950 im Schnitt vier Menschen mit dem täglichen Brot, sind es heute 114 – also 28,5-mal so viele. Damit das auch so bleibt, noch ein kleines Rechenbeispiel: Wenn jeder Haushalt pro Monat fünf Euro mehr für regionale Lebensmittel ausgibt, sichert das 770 bäuerliche Arbeitsplätze im Land.

Christoph Weisgram
Christoph Weisgram
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