09.10.2021 10:30 |

„Das belastet sehr“

Junge Bauern frustriert über „Giftspritzer-Urteil“

Einen juristischen Sieg feierte vor Kurzem Umweltaktivist Franz Sölkner: Der Bauernbund hatte ihn wegen zwei Plakate mit der Botschaft „Gott schütze uns vor giftspritzenden Bauern“ verklagt, blitzte aber in zweiter Instanz ab; wir berichteten. Ein Urteil, das gerade viele junge Landwirte frustriert, so ein Sprecher.

Lehrer kennen das, Ärzte, Journalisten - und natürlich Landwirte: Ihre Arbeit wird vielfach von außen kommentiert und bewertet.

Drastische Worte findet Seppi Kaiser (34) aus Weitendorf, der mit seiner Frau vor zehn Jahren den elterlichen Schweinezuchtbetrieb übernommen hat: „Es reden in der Landwirtschaft so viele Menschen mit, die keine Ahnung haben. Die falschen Infos und Darstellungen belasten sehr.“ Das sei ein Hauptgrund, warum viele Jungen zögern, die Höfe zu übernehmen.

„Wir sind keine Giftspritzer“
Aktuell ist der Unmut besonders groß, meint Kaiser. Das Zivilgericht hat eine Klage des Bauernbunds wegen der Plakate von Sölkner abgewiesen. Dieser hätte seine Aussagen widerrufen und nie mehr plakatieren sollen. „Das macht uns sehr betroffen. Wir sind in Österreich alles andere als Agrarindustrie, sondern primär Familienbetriebe. Wir sind keine Giftspritzer, sondern verwenden registrierte Pflanzenschutzmittel.“

Plakat richtet sich nur an „schwarze Schafe“
Von einer Generalattacke auf Bauern kann laut Sölkners Anwalt Werner Diebald keine Rede sein: „Es wurden nicht alle Bauern verunglimpft, das Plakat richtet sich an die schwarzen Schafe.“

Laut dem Zivilgericht sei die Aussage auf den Plakaten im Rahmen der freien Meinungsäußerung zulässig, es wurde auch niemand konkret beschuldigt. Zudem würden auch andere Gerichtsurteile in der Vergangenheit zeigen, dass „in Gesundheitsfragen eine härte Ausdrucksweise erlaubt ist“, sagt Diebald.

Zitat Icon

Es wurden nicht alle Bauern verunglimpft, das Plakat richtet sich an die schwarzen Schafe.

Anwalt Werner Diebald

Bauernbund gibt noch nicht auf
Der Bauernbund gibt aber nicht auf und will weiter zum Obersten Gerichtshof gehen, muss dafür aber erst einen Antrag stellen. Das letzte Wort in der Causa ist also noch nicht gesprochen.

Jakob Traby
Jakob Traby
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