28.09.2021 12:00 |

Nach Wahl-Sonntag

Nachhilfe in Mathematik für die Tiroler Politiker

Egal ob Schwarz, Grün oder andersfarbig - Tirols Politiker interpretieren die Ergebnisse von Oberösterreich so, dass es nur Sieger gibt. Da tut ein bisschen Zahlennachhilfe ganz gut.

Wir kennen die Szenarien, die sich an jedem Abend nach geschlagener Wahl gleichen: Nur lachende Gesichter, nur Sieger, jeder deutet sein eigenes und das Ergebnis der anderen wie er will, biegt es sich zurecht. Dahinter stehen brav aufgefädelt Parteisoldaten, die bei jeder Nichtantwort ihres Kandidaten auf eine klare Frage zustimmend nicken und frenetisch klatschen. Dass dieses unnatürliche, aufgesetzte Vorgehen dem Otto-Normal-Beobachter auf die Nerven geht, ja zum Hals raushängt, scheint den Parteispitzen egal zu sein.

Interessant ist aber, wie Tirols Spitzenpolitiker die Wahlergebnisse von Oberösterreich kommentieren. Beginnen wir bei Tirols LH Günther Platter, der seinem Parteikollegen Thomas Stelzer „zum beeindruckenden Wahlerfolg“ gratulierte. Wie „beeindruckend“ der Wahlsieg tatsächlich ist, wird vielleicht deutlich, wenn man erwähnt, dass Stelzer als Ausgangsbasis das historisch schlechteste Ergebnis seiner Partei hatte (36,4%) und nun mit einem Miniplus von 1,2% auf 37,6% das historisch zweitschlechteste Ergebnis der ÖVP in Oberösterreich einfuhr. Zur Info: Oberösterreich gilt als schwarzes Kernland, das immer Nummer eins war. Nur bei der Wahl 1967 lag die SPÖ mit 45,95% knapp vor der ÖVP mit 45,21%.

Für Tirols LH-Stv. Ingrid Felipe von den Grünen wurde die in Oberösterreich bestehende schwarz-blaue Koalition „glasklar abgewählt“. Ein interessanter mathematischer Zugang, zumal die „abgewählten“ Schwarz-Blauen dort nun mit zusammen 57,4% eine klare Mehrheit haben. Scheinbar hat sie übersehen, dass Schwarz-Grün in Tirol mit aktuell 54,93% (die Grünen steuern magere 10,67% dazu bei) auf weniger kommt. Und vielleicht hat sie auch vergessen, dass die Grünen mit ihr als Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2018 ein Minus von zwei Prozent einfuhren - somit das schlechteste Ergebnis seit 2003. Aber bekanntlich gehört eine gewisse Art der „Vergesslichkeit“ zu den wichtigsten politischen Tugenden.

Eine politische „Hinrichtung“
Bleibt noch der Schock von Graz, der dem dortigen Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl ins Gesicht geschrieben stand, als er die erste Hochrechnung sah und damit das unglaubliche Minus von 12,1 Prozent bei ihm, und im Gegenzug bei der KPÖ ein Plus von 8,77 Prozent – was bedeutete, dass die KPÖ vor der ÖVP lag. Das ist – egal wie man es dreht und wendet – tatsächlich historisch. Dass ein Langzeitbürgermeister mit viel Bonus (seit 2003 im Amt) dermaßen von der Bevölkerung abgewählt, ja nahezu politisch „hingerichtet“ wird, sucht seinesgleichen. Noch dazu von der Kommunistischen Partei.

220.000 ungeimpfte Wahlberechtigte in Tirol
In Tirol spielt die KPÖ aktuell keinerlei Rolle. Ihr bestes Ergebnis fuhr sie bei der Landtagswahl im Jahr 2008 mit 1,16% ein, was 3900 Stimmen entsprach. 2018 trat sie in Tirol nicht mehr an. Aber aus Graz (KPÖ) und Oberösterreich (Erfolg der völlig unbekannten MFG-Partei) kann man ableiten: „Was nicht ist, kann ja künftig noch werden!“ Denn mit Stand Montag gab es rund 220.000 ungeimpfte Wahlberechtigte in Tirol. Und wie es aussieht, tritt unser Land bezüglich Impfrate seit Wochen nahezu auf der Stelle.

Claus Meinert
Claus Meinert
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