07.09.2021 07:01 |

Mordfall Lisa Alm

„Ich habe ihn geliebt und vermisse ihn noch immer“

Petronela T. hat ihren prominenten Ehemann getötet und wird das nächste Jahrzehnt hinter Gefängnismauern verbringen. Das steht jetzt endgültig und rechtskräftig fest. Noch einmal hatte die gebürtige Rumänin gegenüber Richtern tränenreich um Milde gebeten. Ihren Aussagen nach sieht sie sich nicht als Mörderin. Beim Berufungsprozess am OLG Linz bestätigte der Richter-Senat das Urteil: 14 Jahre Haft.

Wieder Tränen, wieder Schluchzen. Jedes Mal, wenn die zierliche Rumänin einen Verhandlungssaal betritt und über den Tod ihres Ehemannes spricht, übermannen sie ihre Emotionen.

„Ich vermisse ihn noch immer“
Dass sie ihren Mann geliebt hat, betonte sie auch am Montag wieder - diesmal in Linz, diesmal gegenüber einem Richter-Senat des Oberlandesgerichtes. Es war die Berufungsverhandlung nach der Verurteilung wegen Mordes im Jänner. „Ich vermisse ihn noch immer“, meinte die Witwe und gelernte Schneiderin, die einst vor mehr als zehn Jahren als Prostituierte in Salzburg Fuß fasste.

Und sie bat das Gericht mit schluchzender Stimme um Milde – um eine Reduktion der Haftstrafe. Bekanntlich ist die Frau im Jänner zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden – zweieinhalb Jahre hat sie bereits hinter sich. Ihren Worten nach sieht sich nicht als Mörderin ihres Ehemannes, den als Chef der Flachauer Lisa Alm weithin bekannten Erich T. (57).

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Ich vermisse ihn noch immer.

Petronela T. vor Gericht

Tödlicher Streit im betrunkenen Zustand
Es war nur ein einziger Stich, der das Leben des Wirtes beendete. Zugefügt mit einem Küchenmesser in der Küche des Hotels Lisa am 3. März 2019. Wo? In den linken Brustbereich, direkt neben der Achsel. Petronela sprach immer von einem Unfall: Erich habe im Streit das Messer in die Hand genommen, er habe es zu sich gezogen. Da sei es irgendwie passiert.

„Die Variante ist nicht plausibel“, hatte der Gerichtsmediziner betont. Immerhin drang die zwölf Zentimeter lange Klinge ganz in den Körper. Petronela will aber nie einen Stich bemerkt haben.
Als „theatralisch und aufbrausend“ wird das Ehepaar beschrieben. Ein Lifestyle-Paar mit Hang zum Alkohol. Beim tödlichen Streit waren beide auch schwer betrunken: 2,5 Promille hatte sie im Blut, der Wirt hatte ähnlich viel intus und war im Kokain-Rausch. Und beim Streit ging es um Scheidung.

Petronela T. ist durch Urteil „erbunwürdig“
Mehr als zwei Jahre zog sich der Strafprozess hin - das erste Urteil wegen Körperverletzung mit Todesfolge und acht Jahren Haft hob der Oberste Gerichtshof auf. Grund: Rechtsfehler. Bei der Neudurchführung entschieden die Geschworenen einstimmig auf Mord und 14 Jahre Haft. Dabei bleibt es auch, entschied das OLG - trotz Petronelas Tränen. Verteidiger Kurt Jelinek wies vergeblich auf eine überlange Verfahrensdauer hin.

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Durch die Bestätigung des Urteils ist sie erbunwürdig.

Anwalt Stefan Rieder

Doch warum hat sie es getan? Für die Anklagebehörde war der Grund Geld. Tatsächlich hätte Petronela vom Ableben Erichs profitiert: einerseits durch das Erbe, andererseits durch Lebensversicherungen. „Durch die Bestätigung des Urteils ist sie aber erbunwürdig“, betonte Anwalt Stefan Rieder, der Erichs Sohn vertrat. Der jetzige Lisa Alm-Chef ist „nur froh, dass es endlich vorbei ist“.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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