19.08.2021 10:01 |

Interview:

„Müssen bei Pinzgaubahn die Chance nutzen“

Walter Stramnitzer ist seit 13 Jahren Betriebsleiter der Pinzgaubahn. Der gebürtige Wiener spricht über Probleme und Zukunft seiner Bahn.

Herr Stramnitzer, die Unwetter-Serie hat die Pinzgaubahn voll getroffen. Haben Sie derartiges schon einmal erlebt?

Ich bin seit dem ersten Tag der Übernahme der Bahn im Jahre 2008 Betriebsleiter. Ja, ich habe Ähnliches erlebt. Nur nicht in diesem Ausmaß. Beim Hochwasser 2005 wurde ein Teil der Strecke bereits zerstört, 2009 habe ich daher den ersten Wiederaufbau der Strecke bis nach Krimml erlebt. 2014 beim schweren Hochwasser waren sieben Kilometer Gleise betroffen. Bei den jetzigen Unwettern ist das Schadensausmaß noch größer, 20 Kilometer sind es jetzt. Alle 10 bis 15 Jahre passiert etwas, aber die Unwetter werden immer heftiger und größer.

Was, glauben Sie, ist der Grund? Wie wird die Zukunft?

Da ich leidenschaftlicher Bergsteiger bin, kenne ich die Berge seit den 70ern. Ich kann Ihnen sagen: Dort, wo es früher Eis gab, ist jetzt nur ein Schotterhaufen. Deshalb kommt ganz viel Wasser herunter. Es geht so schnell, das ist irre. Das zeigt die Auswirkungen der Klima-Krise. Zudem ist die Bahn vor 123 Jahren gebaut worden. Die Trasse wurde auf die Dammkrone gelegt. Und zu 63 Prozent fahren wir noch auf dieser Strecke.

Die Bahn wird wieder aufgebaut. Soll die Streckenführung geändert werden?

Eine Änderung bedarf jahrelanger Vorbereitungen. Das klingt einfach, ist aber schwierig im Detail: Wir haben einmal für drei Quadratmeter drei Jahre mit einem Anrainer gekämpft. Durch die Zerstörungen ist jetzt auch eine Riesenchance da: Wir werden die Strecke noch optimieren und eine Gesamtlösung für den Krimmler Endbahnhof finden. Wir werden die Strecke auch nicht eins zu eins wiederaufbauen. Wir wollen zuerst schauen, wo man Verbesserungen machen kann. Derzeit sind wir in einer Phase der Abstimmungen. Wir müssen aber für künftige Generationen vordenken und modernisieren, beispielsweise mit einer Elektrifizierung. Wir müssen die Chancen jetzt nützen.

Wie lange, schätzen Sie, wird der Wiederaufbau insgesamt dauern?

Alles in allem rechne ich mit einem Jahr.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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