"Nachhaltige Jugendarbeit kann man so nicht aufbauen", sagen Jugendzentrumsbetreuer aus Innsbruck. Drei Kollegen verlieren Ende März ihre Anstellung beim Verein Jugendhilfe, der die Jugendzentren der Stadt betreibt. In den nächsten zwei Jahren sind sieben weitere der 23 Mitarbeiter betroffen. Nicht, weil sie schlechte Arbeit leisten. Vereinsobmann GR Harald Schuster und Vize-BM Christoph Kaufmann betonen: "Wir waren sehr zufrieden." Der Grund sind auf fünf Jahre befristete Verträge, die derzeit "politischer Wille" sind.
Seit Herbst suchten die Betreuer das Gespräch. Doch erst als alle Jugendzentrumsmitarbeiter geschlossen bekannt gaben, der Weihnachtsfeier fernzubleiben, erhielten sie es auch. Eine Vertragsverlängerung wurde ausgeschlossen, denn das würde rechtlich zu Kettenverträgen und damit zu unbefristeten Anstellungen führen. "Finanziell für die Stadt nicht tragbar", sagt Kaufmann.
Know-how und Kontakte gehen verloren
Im Umland um Innsbruck sind jedoch alle Jugendbetreuer unbefristet angestellt. Und die Plattform für Jugendarbeit Tirol betont in einer Stellungnahme: Das aufgebaute Know-how und die Kontakte gehen bei kurzfristigen Verträgen immer wieder verloren. Dazu braucht es langjährige Mitarbeiter mit viel Erfahrung.
GR Schuster sieht das anders: "Wir wollen keine Berufsjugendlichen!" Die Mitarbeiter werten das als Geringschätzung ihrer Arbeit. Sie kämpfen für zukünftige Qualitätsverbesserung und entwarfen ein Positionspapier, dem sich Kaufmann bald widmen will. Die Betroffenen kritisieren zudem, dass nur in sichtbare Jugendarbeit investiert wird (drei neue städtische Jugendzentren in fünf Jahren), aber nicht in Qualität.
"Das erste Mal, dass Mitarbeiter länger bleiben wollen"
Obwohl der Vize-BM sich erst kürzlich im stadteigenen Blatt mit dem hochqualifizierten Personal brüstete, sagt man den ausgebildeten Pädagogen, dieser Job sei eigentlich für Studenten. Kaufmann ergänzt: "Es ist jetzt auch das erste Mal, dass Mitarbeiter länger bleiben wollen."
Die Situation könnte sich aber bald noch verschärfen: An der Pädagogischen Hochschule in Innsbruck soll die Studienrichtung Freizeitpädagogik eingeführt werden. Doch wo sollen diese Absolventen eine langfristige Stelle finden? Hoffentlich alle außerhalb Innsbrucks, denn dort sind laut LR Zoller-Frischauf – wie berichtet – fünf neue Jugendzentren geplant.
von Manuel Diwosch, Tiroler Krone









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