Er ist zurück

Müller-Fauxpas: Von welcher Niederlage redet er?

Nach der kurzen Busfahrt aus dem Inntal aufs Seefelder Plateau waren Joachim Löw und seine EM-Spieler nur wenige Minuten nach Mitternacht wieder im Teamhotel. Richtig zufrieden konnte dort nach dem 1:1 gegen Dänemark im Innsbrucker Tivoli-Stadion aber keiner zu Bett gehen. Beim vorletzten Probelauf vor dem Ernstfall am 15. Juni in München gegen Weltmeister Frankreich stimmte das Ergebnis nicht. Der große Mutmacher blieb aus - und die Probleme bleiben die bekannten. Für Zuversicht und Heiterkeit sorgte nach Abpfiff wieder einmal Thomas Müller, mit einem lustigen Sager beim Interview nach dem Match: „Ärgerlich, dass wir so verlieren“. Vielleicht fasste er das Remis als eine Niederlage auf. 

Rückkehrer Thomas Müller war der Lichtblick gemeinsam mit Mats Hummels, doch auch sie konnten keine Wunderdinge auf Knopfdruck vollbringen. Die Chancenverwertung bleibt ein Kardinalproblem: Ein klares Plus an Möglichkeiten und Abschlüssen schlug sich nur im 1:0 von Florian Neuhaus nieder, der mit einer starken Leistung im Mittelfeld noch die meiste Eigenwerbung betrieb. Dazu gab es zwei Aluminium-Treffer von Serge Gnabry und Joshua Kimmich.

Dem DFB-Team fehlte wieder einmal die Souveränität, einen Vorsprung ins Ziel zu bringen. Leipzig-Profi Yussuf Poulsen konnte für die Dänen ausgleichen. „Klar ist das Gegentor ärgerlich“, sagte Müller nach seinem 101. Länderspiel, in dem der 31-Jährige aber „auch viel Gutes gesehen“ hatte, nicht nur die „unglücklichen Lattentreffer“. Bei „RTL“ sagte er dann, die Leistung sei „schwer zu bewerten. „Ich hatte auf dem Platz viel zu laufen, deswegen habe ich die Analyse nicht ganz so exakt parat. Was ich mitbekommen habe, ist, dass wir in unseren Offensivaktionen relativ klar waren. Am Ende ist es ärgerlich, dass wir das Spiel verlieren.“

Kommunikation besser
Löw attestierte den zurückgeholten Führungskräften Müller und Hummels „ein gutes Spiel“. Er habe wichtige Veränderungen durch das Weltmeisterduo von 2014 registriert. „Verbessert waren die Kommunikation auf dem Platz, die Kommandos und Anweisungen. Das war sehr positiv.“

Auch den Test der Dreierkette gegen Österreichs WM-Quali-Bezwinger als Option gegen die offensivstarken Franzosen bewertete der 61-Jährige insgesamt als gelungen: „Für mich ist entscheidend, dass die letzte Reihe gut steht.“ Bis auf wenige Momente wie beim Gegentor glückte das Ginter, Süle und Hummels.

Löw blickte nicht entmutigt nach vorne. Er freut sich, wenn er am Freitag mit den vier Champions-League-Finalisten Antonio Rüdiger, Kai Havertz, Timo Werner von Chelsea und Ilkay Gündogan von Manchester City auf dem Platz arbeiten kann. „Dann haben wir über eine Woche Zeit, an den richtigen Schrauben zu drehen.“ Es bleibt noch die Generalprobe am Montag in Düsseldorf gegen Lettland, um mit einem Erfolgserlebnis den noch nötigen EM-Schub zu zünden.

Besser in Schuss präsentierte sich Deutschlands EM-Kontrahent Frankreich. Der Weltmeister gewann in Nizza gegen Wales 3:0 - da ließ sich der vergebene Elfmeter von Team-Rückkehrer Karim Benzema verschmerzen, zumal der Real-Madrid-Goalgetter eine ansprechende Leistung zeigte. „Er war sehr präsent und hat viele gute Sachen gezeigt“, sagte Teamchef Didier Deschamps.

Benzema vergibt Elfer
Die Treffer für die Franzosen erzielten Kylian Mbappe, Antoine Griezmann und Ousmane Dembele. „Es lief unglücklich für ihn, der Elfmeter war gut geschossen. Ich hätte mich für ihn gefreut, wenn er getroffen hätte, aber wenn er sich das für später aufhebt ...“, sagte Deschamps. Der 33-jährige künftige Klubkollege von David Alaba habe sich gut ins Kollektiv eingefügt, lobte der Coach.

Benzema war Mitte Mai überraschend für die EM nominiert worden und kehrte nun nach mehr als fünfeinhalb Jahren in die „Equipe Tricolore“ zurück.

krone Sport
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Sonntag, 19. September 2021
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