27.05.2021 16:00 |

Branche klagt

Preisexplosion und Engpässe beim Bau in Tirol

In der Baubranche in Tirol herrscht Alarmzustand. Wie berichtet, sind die Preise beim Holz explodiert und Lieferungen ziehen sich in die Länge. Doch auch bei anderen Materialien muss man derzeit tief in die Tasche greifen und für das Eintreffen der Ware viel Geduld aufbringen.

Leben Sie in einem Haus oder einer Wohnung, die Ihnen gehört? Dann gehören Sie noch zur Mehrheit in Österreich. Denn laut der Wohnbaustudie 2021 hausen 55 Prozent im Eigentum. Dieses können sich jedoch immer weniger leisten. Das zeigt die Studie ebenfalls. Aus dieser geht hervor, dass nur noch 39 Prozent Eigentum erwerben möchten. 2019 waren es noch 49 Prozent. Und es dürften noch weniger werden. Denn nicht nur die Preise auf Grundstücke steigen stetig an (siehe unten), sondern auch jene der Materialien, die es für den Bau eines Hauses oder einer Wohnung benötigt.

Frust in der Branche ist groß
Doch nicht nur über die steigenden Preise klagen Kunden und Branchenvertreter. Auch extrem ausgedehnte Lieferzeiten machen ihnen zu schaffen. Vergangene Woche fand dazu eine Krisensitzung statt, wie Franz Jirka, Wirtschaftskammer-Spartenobmann des Gewerbe und Handwerk in Tirol, im Gespräch mit der „Krone“ sagt: „Hier haben sich alle Innungsmeisterinnen und Innungsmeister der Sparte einmal ihren Frust von der Seele geredet.“ Dieser Frust ist darin begründet, dass die Kunden glauben, „dass wir diejenigen sind, die die Preiserhöhungen einstecken“.

Das Gegenteil sei jedoch der Fall, versichert der Obmann. Denn durch Preisbindungen und Angebote, die schon seit Monaten bei den Kunden sind, pochen diese natürlich auf den damals vereinbarten Preis. „Somit kommt der Betrieb ins ,Schwitzen‘, denn die derzeitigen Preiserhöhungen verringern seinen Gewinn.“ Für viele Unternehmen sei es ein Null-Spiel. „Man hört, dass einige sogar draufzahlen.“

Ende nicht in Sicht
Ein Ende der Preissteigerungen ist derzeit nicht in Sicht. Der Grund für die Explosion ist schnell erklärt. Es herrscht praktisch überall Materialmangel. Das führt freilich auch zu Lieferengpässen und langen Wartezeiten. Jirka liefert mehrere Beispiele dazu: „Bei Guss und Stahl für Einsatzöfen gibt es derzeit Wartezeiten bis September.“ Auf Evilonrohre, also PVC Leerverrohrungen für die Rohbauten, muss man sechs Wochen warten.

„Gedehnt haben sich auch die Lieferzeiten im Sanitärbereich. Die Preiserhöhungen liegen zwischen zehn und 30 Prozent.“ Wie bereits im April berichtet, ist die Lage am Holzmarkt besonders prekär, was der Spartenobmann nur bestätigen kann. So müsse man „auf Holzplatten und Befestigungsplatten 14 Wochen oder noch länger warten und Leimholz hat ein noch nie dagewesenes Preisniveau von 900 Euro pro Kubikmeter erreicht“.

Preis bei Kupfer hat sich verdoppelt
Fast verdoppelt hat sich auch der Kupferpreis, von 5,50 auf 10,20 Euro pro Kilogramm. Etwas besser sieht es bei Aluminium aus, wo die Steigerung aber auch 25 Prozent beträgt. Beim Zement wiederum sind es 30 Prozent. Als letztes Beispiel nennt der Obmann die Glaser. „Dort werden Preiserhöhungen und Lieferzeiten gar nicht mehr bekannt gegeben, da diese ohnehin nicht eingehalten werden können.“

Übersee mögliche Lösung
Unterm Strich also ein allgemein sehr tristes Bild, wie Jirka sagt. Und er spart auch nicht mit Kritik an der Tiroler Industrie: „Sie verspricht uns ständig, dass sie auf voller Auslastung fährt. Aber wo ist dann das Material?“ Eine mögliche Lösung wäre Übersee, meint der Obmann abschließend, „weil dort ein noch besserer Preis erzielt werden kann und es auch noch eine Exportförderung gibt!“ Ein Notfallplan, der bei den heimischen Industrievertretern wohl nicht gut ankommen würde.

Grund in Tirol immer teurer
Doch nicht nur die Preise auf Rohstoffe für den Bau steigen an. Auch das Grundstück, auf dem gebaut wird, wird in Tirol immer teurer. So weist der Immobilienpreisspiegel 2020 in Tirol für Grundstücke im Bereich Wohnbau einen Durchschnittspreis von 420 Euro pro Quadratmeter auf, wie der Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der WK, Philipp Reisinger, vorrechnet.

Am tiefsten in die Tasche greifen muss man in Innsbruck. 915 Euro kostet hier ein Quadratmeter im Durchschnitt. „Danach folgen Kitzbühel mit 645 Euro und Innsbruck-Land mit 548.“ Am günstigsten ist Lienz. 174 Euro gilt es hier hinzulegen. „Im Mittelfeld liegen Kufstein, Schwaz und Landeck“, sagt Reisinger. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit sowie der nach wie vor bestehenden steigenden Begehrlichkeit nach einem Grundstück haben sich „in den vergangenen Jahren die Preise über die Inflationsrate hinaus nach oben hin entwickelt“.

Reisinger: „Rechnen mit weiter steigenden Entwicklung“
Bereits bebaute Grundstücke haben dadurch an Wert zugelegt. Und wie sieht die Zukunft aus? „Wir rechnen mit einer weiter steigenden Preis- und Wertentwicklung, die jedoch abgeflachter als in den vergangenen Jahren erfolgen könnte“, sagt Reisinger. Klarheit werde im Juni der Preisspiegel für 2021 bringen.

Übrigens: Bei den noch unbebauten als Baugrundstück gewidmeten Flächen in Tirol geht man von einer Größe aus, die dem Stadtgebiet von Kufstein entspricht. „Allerdings sind diese ob der unterschiedlichen Lage, Größe und Beschaffenheit natürlich nicht gleichermaßen für Wohnbauten geeignet“, schränkt Reisinger ein.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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