23.05.2021 19:00 |

„Krone“-Interview

„Der Bua wird schon wissen, was er tut“

Ernst Molden, der Wiener Liedermacher mit Kultstatus, ist mit seinen „Hawara“ auch heuer wieder an drei Abenden der Mittelpunkt des „Haller Burgsommers“. Vorab führte er mit der „Tiroler Krone“ ein sehr persönliches Gespräch über Familie und Werdegang.

Krone: Ihre Kindheit und ein Teil Ihrer Jugend waren sprichwörtlich durch „den goldenen Löffel im Mund“ gekennzeichnet. Bis 1982 Ihr Vater, der Verleger Fritz Molden, Konkurs anmelden musste. Glauben Sie im Nachhinein, dass dieser Umstand Ihnen die Freiheit für ein kreatives Leben brachte?
Ernst Molden: Ja, ganz sicher. Hypothetisch betrachtet, wenn dieser Großverlag weiter Bestand gehabt hätte, wären mein lieber Bruder Berthold und ich vor der Pflicht gestanden, dass einer von uns ihn weiterführen müsste. Für mich wäre das eine Katastrophe gewesen. Ich bin kein Verleger und kein Unternehmer. Dadurch, dass dieses Imperium meines Vaters innerhalb von zwei Wochen mehr oder weniger spurlos versunken ist, habe ich aber emotional einen Gewinn gehabt. Da meine Eltern auf einmal Zeit für mich hatten. Vorher waren sie für mich eher gesellschaftliche als persönliche Ereignisse, da wir mit Oma und Kindermädchen in einem anderen Teil der Villa aufgewachsen sind. Wir haben unsere Eltern zu ausgewählten Stunden gesehen, das war sehr auf Distanz und sehr von der Außenwelt geflutet. Nach dem Konkurs 1982 war das alles anders, es hat sich in eine kuschelige Familie verwandelt. Und so wie mein Vater sich immer neu erfand, vom Widerstandskämpfer zum Diplomaten, zum Publizisten und Verleger, konnte auch ich mich durch eine wahre und warme Beziehung zu meinem Vater so verwirklichen, wie ich es wollte. Vom Polizei-Reporter über den Theater-Dramaturgen, Romancier bis hin zum heutigen Musiker. Meine Mutter machte sich schon Sorgen, welchen Weg ich im Leben einschlagen würde, aber mein Vater beruhigte sie immer mit den Worten: „Lass ihn, er wird es schon wissen, was er tut.“

Welche Gründe bewogen Ihre Eltern, Sie 1982, im Alter von 15 Jahren, auf das Gymnasium der Franziskaner in Hall zu schicken?
Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Verlages übersiedelten wir in ein Haus nach Alpbach, welches meiner Mutter gehörte. Ich befand mich an der Schwelle zur Oberstufe und so kam ich als interner Schüler an das Franziskaner-Gymnasium in Hall.

Obwohl Sie in diesen vier Jahren bis zur Matura ein Internatsschüler waren, haben Sie etliche Kontakte zur Haller Jugend und der damals entstehenden lokalen Jugendkultur gehabt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Wir gründeten eine Schulband und hatten einen Vorteil. Obwohl wir einmal in der Woche eine Messe musikalisch gestalten mussten, durften wir die sehr gute Schul-Musikanlage auch zu privaten, säkularen, fast schon sündhaften Gigs mitnehmen. So unternahmen wir an den Wochenenden Tourneen, vor allem ins Unterland und nach Osttirol. Und stellten uns dadurch auf erste musikalische Hinterfüße. Einige Menschen aus Hall habe ich sehr stark wahrgenommen und bis heute nicht vergessen. Stellvertretend möchte ich den damaligen Professor für Kunstunterricht, den vor kurzem verstorbenen Bildhauer Franz Pöhacker und das kreative Haller Original Hermann Graber erwähnen.

Trotz coronabedingter Einschränkungen mutierte der an drei Tagen stattgefundene, restlos ausverkaufte „Haller Burgsommer 2020“ zu einem Festival von „Ernst Molden und seinen Hawara“. Was glauben Sie steckt hinter dem Erfolg des von Ihnen mitreformierten „Wienerlieds für das 21. Jahrhundert“?
Die Akzeptanz für das Wienerlied ist in keinem anderen Bundesland so gewachsen wie in Tirol. Als ich vor über 20 Jahren mit meinen Konzerten anfing, erlebte ich öfters, dass es vor Konzertbeginn wichtig zu betonen war, dass man eh ein guter Mensch ist, wenn man aus Wien stammt und Wienerlieder singt. Zwischenzeitlich hat sich das sehr verändert. In Tirol gibt es sehr viele Menschen, die den Wiener Schmäh schätzen.

Hubert Berger
Hubert Berger
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