Poker um Löhne

Grazer Öffis machten drei Stunden “Pause”

Steiermark
19.01.2011 14:50
Ungewöhnlich viele Fußgänger sind Mittwoch früh in Graz unterwegs gewesen - viele mit einem grantigen Ausdruck im Gesicht. Die Bus- und Straßenbahnfahrer hatten nämlich beschlossen, aus Lohngründen ihre Arbeit niederzulegen, und so mussten jene Grazer bzw. Pendler, die nicht über einen reservierten Parkplatz verfügen und/oder sich kein Taxi leisten wollten, wohl oder übel zu Fuß oder sogar per Fahrrad zur Arbeit gelangen - und das auf zum Teil eisglatten Straßen und Wegen.

Die Unterbrechung des Öffi-Betriebes hatte um 8 Uhr begonnen und wurde laut Auskunft der Grazer Linien um Punkt 11 Uhr offiziell beendet - obwohl einige Linien bereits kurz nach 10 Uhr wieder in Betrieb waren. In Graz laufe nun alles wieder planmäßig, erklärte ein Sprecher am Mittwochvormittag gegenüber steirerkrone.at.

Grazer gut vorbereitet
Die Grazer hatten sich gut auf den angekündigten Ausfall fast aller Linien eingestellt. Sowohl ein Verkehrschaos als auch ein Ansturm auf die wenigen verkehrenden Busse privater Unternehmen bzw. des eingerichteten Schienenersatzverkehrs für die sieben Tram-Linien blieb aus. Die Menschen bildeten Fahrgemeinschaften oder erreichten eben zu Fuß oder per Rad die Schule bzw. ihren Arbeitsplatz.

"Kein erhöhter Individualverkehr"
Laut Grazer Polizei kam es auch zu keinem erhöhten Aufkommen von Individualverkehr, an einigen neuralgischen Punkten wie der großen Kreuzung Gürtel-Hauptbahnhof war in den Morgenstunden sogar eher Gegenteiliges zu beobachten. Die als Ersatz für die Trams eingesetzten Postbusse und jene der Reiseunternehmen konnten nach Aussagen von Fahrgästen zwar nicht überall den angekündigten 30-Minuten-Takt halten, waren aber ständig unterwegs.

"Kommen Sie auch zu spät ins Büro?"
Im Umgang miteinander ging es in den wenigen Bussen überwiegend höflich und diszipliniert zu: "Ist der Platz neben Ihnen noch frei?" - "Bitte Türe noch offen halten, es sind noch nicht alle ausgestiegen." - "Kommen Sie auch zu spät ins Büro?" - "Ja, aber die Arbeit wird nicht weglaufen. Die ist sicher am Abend auch noch da", so eine Frau zur allgemeinen Erheiterung der Fahrgäste. Am Hauptplatz konnten sich einige Wartende hämischen Beifall nicht verkneifen, als die ersten Bims schließlich wieder einfuhren.

Warnzeichen Richtung Graz Holding
Die Betriebsversammlung der Öffi-Bediensteten dauerte laut Grazer Linien von 8.00 Uhr bis etwa 9.30 Uhr. Sie sollte als Info-Veranstaltung bzw. vor allem als Warnzeichen Richtung Graz Holding dienen. Wie berichtet, war den "GVBlern" eine Lohnerhöhung von 25,50 Euro bzw. maximal 0,85 Prozent des Bruttogehalts angeboten worden - für Horst Schachner, den "Häuptling" des Zentralbetriebsrats, ein "unmoralisches Angebot". Er wollte mehr. Holding-Graz-Chef Wolfgang Malik weigerte sich jedoch, die Forderung zu erfüllen.

Weitere Maßnahmen angekündigt
Beigelegt wurde der Konflikt im Zuge der Versammlung am Mittwoch nicht. Nach Informationen der "Steirerkrone" schlug der Betriebsrat ein verbessertes Angebot aus. "Dieses hätte die Inflation mehr als abgegolten", betont Wolfgang Malik. "Die Mitarbeiter der Graz Linien genießen Privilegien, die es nicht einmal mehr im öffentlichen Dienst gibt." Dass der Betriebsrat jetzt zusätzlich zu diesen Vorteilen Lohnanpassungen wie in der Privatwirtschaft fordert, sei "absurd". Die Personalvertretung kündigte weitere Kampfmaßnahmen an.

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