15.01.2011 22:33 |

"Totes Moor"

Golfprojekt in Kramsach tritt auf der Stelle

Ein 18-Loch-Golfplatz um 35 Millionen Euro unweit der idyllischen Seen in Kramsach-Breitenbach – als vor 14 Monaten dieses Projekt präsentiert worden ist, war der Optimismus riesig. Noch immer liegt aber ein fast unüberwindlicher Stolperstein auf dem Weg. Laut Golfplatz-Verordnung des Landes ist das dort existierende Moor streng geschützt, auch wenn es ein "totes" ist.
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Die UVP-Unterlagen sollten im Juni 2010 eingereicht sein, die Eröffnung im Jahr 2014 stattfinden – dieser ursprüngliche Zeitplan für den Golfplatz Kramsach samt Luxushotel musste längst im Müllkübel entsorgt werden. Es ist ein Geduldsspiel mit höchst fragwürdigem Ausgang, das die Initiatoren seit der öffentlichen Präsentation im November 2009 bestehen müssen.

Die entscheidende Frage ist nämlich trotz monatelanger Gespräche mit den Landesabteilungen Raumordnung bzw. Umweltschutz ungelöst: Darf das 77-Hektar-Areal zwischen Kramsach (Moos) und Breitenbach (Haus) genutzt werden, obwohl dort ein Moorboden vorherrscht? "Davon sind wir immer ausgegangen, das Moor wurde in den 1970er- und 80er-Jahren trockengelegt", sagt Thomas Laimgruber (Domo Planungs GmbH Radfeld).

Auch "toter" Moorboden ist wertvoll
Die Biotopkartierung des Botanikers Peter Mertz bestätigte klar, dass es "keine Flora oder Fauna" über dem Moorboden gebe. Auch ein "totes Moor" genießt Schutzstatus. Ob seltene Tiere oder Pflanzen  vorhanden sind, ist aber Nebensache, jeder Moorboden ist derzeit ein Ausschließungsgrund (§ 5  Abs. 2 der Golfplatz-Verordnung): "Die Verwaltung hat diesbezüglich keinen Spielraum", betont Martin Sailer (Landesabteilung für überörtliche Raumordnung).

Sailer diskutierte die heikle Moor-Frage kürzlich mit Experten von Initiatorenseite (mit im Boot sind die Firma Domo, Golfplatz-Planer Dieter Fahrenleitner, Firma Golfart Landscape St. Johann, "Golf-Papst" Klaus Ennemoser). Eine Änderung der Golfplatz-Verordnung, nur weil es die Kramsacher so brauchen, wäre eine "Anlassgesetzgebung". Und so etwas sieht man im Land nicht gern.

Aus Expertensicht ist auch ein "toter" Moorboden wertvoll. In der Umweltabteilung des Landes verweist man auf die CO2-Speicherung  von Mooren (Klimaschutz) und auf die Rückhaltewirkung bei Hochwasser. Nächste Woche treffen sich Regionsbürgermeister und Experten zur Beratung, wie es weitergehen soll. Wird die Landespolitik doch noch den Weg für das Unterländer Großprojekt ebnen?

von Andreas Moser, "Tiroler Krone"

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