An sich halte ich Siegfried Nagl für einen guten Bürgermeister. Er vermittelt den Eindruck, sich tatsächlich um seine Stadt zu kümmern, sieht gut aus und kommt daher speziell bei den Grazerinnen sympathisch rüber.
In jüngster Zeit hat er aber einen schweren Stand. Erst war's die Wahlniederlage in Graz, die die ÖVP vielleicht die entscheidenden Stimmen gekostet hat. Dann der Dauerstreit mit den Grünen, die immer wieder versuchen, Nagl am Nasenring vorzuführen. Er wehrt sich mit Kräften; aber die Grüne-Chefin Lisa Rücker, zweifellos die schlechteste Verkehrsstadträtin, die Graz je hatte, dieser Lisa Rücker sind die Bürger ja völlig egal. Ihre Politik zielt einzig darauf ab, die linke grüne Basis zufriedenzustellen.
Und dann der unglückliche Reininghaus-Deal. Monatelang schwärmte er von seiner Vision eines völlig neuen Stadtteils, auch die extrem teure Finanzierung schien gesichert... bis plötzlich ein privater Investor zuschlug und Nagl Spott und Hohn einstecken musste.
Ich aber halte die jetzige Lösung für die bessere. Zu oft haben wir schon erlebt, dass der Staat - in diesem Fall: die Stadt - alles andere als unternehmerisch agierte. Da kam eine Privatisierung gerade recht.
Und Graz-Reininghaus ist ja nicht verloren. Siegfried Nagl kann an seiner Vision weiter festhalten und gemeinsam mit dem Käufer das Projekt vorantreiben. Denn jetzt geht es um zahllose behördliche Verfahren und Genehmigungen, die von der Stadt abgewickelt werden müssen. Und wer die Behörden kennt, weiß: Das ist ein mühsames Unterfangen.
Es wird nicht zuletzt am Bürgermeister liegen, seinem zähen Beamtenapparat Beine zu machen. Wenn ihm das gelingt, könnte er letztlich doch noch als großer Sieger dastehen.
von Christoph Biró, "Steirerkrone"
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