03.04.2021 15:18 |

Gigantischer Felssturz

Das „Karfreitagswunder“ von Neustift im Stubaital

Von einem wahren Wunder spricht man in Neustift im Tiroler Stubaital: In der Nacht auf Freitag donnerte - wie berichtet - ein tonnenschwerer Felsblock im Ortsteil Scheibe über die Gemeindestraße in ein Wohnhaus. Ein Bewohner konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen. Verletzt wurde zum großen Glück niemand, der Sachschaden ist enorm.

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„Gegen zwei Uhr früh wurde ich durch seltsame Geräusche wach“, sagt Christian Rainer (28), der im ersten Stock des Gebäudes wohnte. „Ich blickte hinaus und sah im Hang bei den Fangnetzen Funkenflug. Da war ich mir sicher, dass etwas herunterkommt“, schildert er die dramatischen Momente. „Instinktiv habe ich mich weggedreht, da schlug es schon ein.“

Auch Großmutter (92) in Sicherheit
Der Fels donnerte zum Glück in das leere Zimmer im Erdgeschoß und traf den Raum, in dem sich der 28-Jährige befand, nicht voll. Das zerstörte Zimmer dient normalerweise als Ferienunterkunft. Nicht auszudenken, wäre es – wie sonst in normalen Zeiten – voll belegt gewesen. Christian Rainer blieb, wie seine 92-jährige Großmutter, die sich in einem sicheren Bereich aufhielt, unverletzt. Noch in der Nacht wurde das Doppelhaus, in dem insgesamt 14 Menschen wohnen, die angrenzenden Häuser sowie die Gemeindestraße Richtung Milders gesperrt.

Erkundungsflüge mit Helikopter und Drohne
Bei einem Lokalaugenschein am Freitag machten sich Landesgeologe Roman Außerlechner, die Gemeindeeinsatzleitung, die Feuerwehr Neustift sowie die Wildbach- und Lawinenverbauung ein Bild. Es fand ein Erkundungsflug mit dem Heli statt, Drohnenaufnahmen wurden angefertigt.

Wie ein Rad ins Tal gerast
„Rund 150 Meter in dem Hang über dem Ortsteil Scheibe hat sich eine etwa fünf mal drei Meter große, ein Meter dicke, scheibenförmige Steinplatte gelöst“, informiert Landesgeologe Außerlechner. „Sie geriet in Rotation und raste wie ein Rad ins Tal.“ Dabei nahm die Scheibe enorme Energie auf, der Fels durchbrach zwei Steinschlagnetze und kam in dem durchbrochenen Hauseck zum Stillstand.

Schutzdamm errichtet
Wie die Erkundungen ergaben, sind Nachstürze von derartiger Masse nicht zu erwarten. „Das Gebiet bleibt aber latent steinschlaggefährdet“, sagt Außerlechner.  Noch am Freitag wurde mit dem Bau eines Schutzdamms begonnen. Der drei Meter hohe Erdwall soll die Wohnhäuser und die Gemeindestraße vor nachkommendem Material schützen. Danach werden die Straße geöffnet und die Steinschlagnetze erneuert.

Die Evakuierung der anderen Häuser wurde aufgehoben, der sichere Teil des Doppelhauses bleibt bewohnbar.

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