In vielen Städten rennen Volksschüler den Gymnasien die Türen ein. In der Steiermark fehlen in einigen Gegenden, etwa in Graz-Umgebung, aber Angebote, um der Nachfrage gerecht zu werden.
Das Abschlusszeugnis steht zwar noch aus, doch schon jetzt müssen die steirischen Schüler sich entscheiden: Gymnasium oder Mittelschule? Wegen des Corona-bedingten Aufrufs zur milden Bewertung von Bildungsminister Heinz Faßmann zeichnete sich in vielen Städten ein Ansturm auf AHS-Unterstufen ab. Die Zahlen in der Steiermark zeigen einen Rekord an Anmeldungen - trotzdem liegt der Wert nur gering über den Anmeldungen der letzten Jahre. Von 10.968 steirischen Viertklässlern haben sich 4462 bei Gymnasien angemeldet.
Dass es einen langjährigen Trend zum Gymnasium gibt, weiß auch Herbert Weiß, Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft. „Das hängt auch damit zusammen, dass die Reform an den Mittelschulen in den Augen vieler nicht gelungen ist. Das Vertrauen genügt nicht - das hat aber nichts mit der Leistung der Lehrer dort zu tun“, betont der Bildungsexperte. „Je mehr Kinder in die AHS kommen, desto heterogener werden die Klassen“, sagt Weiß, der selbst Lehrer am Oeversee-Gymnasium in Graz ist. „Von Gesamtschulen sind wir aber weit weg.“
Oft sind es auch die Eltern, die sich wünschen, dass ihre Kinder in eine AHS gehen. „Man erwartet sich dadurch vielleicht eine akademische Laufbahn. Das beruht auf der irrigen Meinung, ein Hochschulabschluss würde mehr bringen als eine Lehre“, sagt Weiß.
180 Anmeldungen auf 50 freie Plätze in der Ersten
Aber nicht überall kann das Angebot an Gymnasien die Nachfrage decken: In Deutschlandsberg gab es bis im vergangenen Jahr keine AHS-Langform. Im Bezirk Murau gibt es noch immer keine AHS-Unterstufe. Und im Norden von Graz ist das Stiftsgymnasium Rein die einzige Anlaufstelle für viele: „In den letzten 15 Jahren ist die Schule stark gewachsen“, sagt Direktorin Renate Oswald. Das Einzugsgebiet geht von Frohnleiten bis Graz, über Mixnitz, Stattegg, Thal und Attendorf.
Im Süden von Graz ist die Situation sogar noch knapper: Im nun drei Jahre alten Privatgymnasium De la Tour der Diakonie in Seiersberg melden sich jedes Jahr um die 180 Kinder für 50 Plätze in der ersten Klasse an, sagt Bürgermeister Werner Baumann. „Wir gehen über.“ In den kommenden Jahren sei ein Ausbau aber nicht realistisch.
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