Profit um jeden Preis

Schiffstransporte: „Was tun wir Tieren an?“

Es ist eine Tragödie besonderen Ausmaßes! Viele Leser sind ob der Berichte über den Schiffstransport von Kälbern fassungslos, tief traurig - aber auch wütend.

Es ist der pure Albtraum, den die Tiere erleben mussten. Ein Horrorszenario, das sich die meisten von uns kaum vorstellen können. Geschweige denn vor Ort ertragen würden. „Ich schäme mich, ein Mensch zu sein“, ist nur eine von vielen Aussagen einer Leserin dazu. Und man fragt sich zu recht: Werfen wir Menschen tatsächlich jedes Gefühl, Moral, jede Verantwortung gegenüber unseren Mitgeschöpfen, jede Form von Zivilisation einfach über Bord, nur weil wir damit Geld machen?

Apropos über Bord werfen — das geschieht mit Tieren, die diese Höllenqualen nicht mehr ertragen und elendiglich zu Grunde gehen – und das sind auf solchen Schiffen meist sehr viele. 2600 Jungrinder wurden am 18. Dezember in Spanien auf zwei Schiffe verladen. Ziel beziehungsweise Endstation sollte die Türkei sein. Wer denkt, die Tragödie würde erst jetzt seinen Anfang haben, der irrt.

Waren auch Tiere aus Österreich dabei?
Denn man kann davon ausgehen, dass viele Kälber und Jungbullen bereits tagelang unterwegs gewesen sind, bevor sie auf das schwimmende Gefängnis verladen wurden. Aus ganz Europa kamen sie — vielleicht auch aus Österreich. Denn auch wir exportieren jedes Jahr an die 45.000 Kälber. Wer weiß schon, wohin sie die Viehhändler verkaufen? Angesichts solch barbarischen Umgangs mit fühlenden Geschöpfen muss das Herkunftsland auch im Vordergrund stehen.

Mit Sicherheit waren viele bereits erschöpft von der langen Reise — doch das war noch nicht das Ende! Runter vom Lkw hinauf auf das Schiff sollte es gehen. Auch dabei entsteht bei den Tieren eine irrsinnig Angst. Es ist jedes Mal eine Stresssituation — für Mensch und Tier. Auf den Bildern erkennt man die Panik der Rinder. Nicht selten kommt es dabei zu gebrochenen Beinen und anderen schweren Verletzungen. Die meisten Schiffe, die solche Tiertransporte durchführen, sind in einem schlechten Zustand und in Ländern angemeldet, in denen man es mit Sicherheitsstandards nicht so genau nimmt.

Rostige, schwimmende Wracks
Auch die beiden Frachter, deren monatelange Irrfahrt nun im Kreuzfeuer der Kritik stehen, die „Karim Allah“ und die „Elbeik“, fahren unter den Flaggen von Togo und des Libanon. Sie sind mehr als 50 Jahre alt. Rostige, schwimmende Wracks - nicht geeignet für die Aufnahme von Tieren. Nicht umsonst werden solche Schiffe auch „Seelenverkäufer“ genannt.

Tagelang gab es nur Wasser und kein Futter
Eingepfercht unter Deck – im eigenen Kot liegend, die Luft stickig, waren die Jungbullen unterwegs. Kein Wunder, dass die Tiere krank werden. In diesem Fall kam es angeblich sogar zum Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Plötzlich wollte keine Nation das Schiff mehr anlanden lassen. Eine monatelange Odyssee nahm ihren Anfang. Irgendwann ging dann auch noch das Futter aus. Mehrere Tage erhielten die Tiere ausschließlich Wasser. Mit Sicherheit haben sie vor Hunger gebrüllt.

Nach mehr als drei Monaten, steuerte die „Karim Allah“ wieder den Ausgangshafen Kartagena an. Nach einem Veterinär-Check sprach niemand mehr von der Seuche. Allerdings waren die Tiere mittlerweile in einem so schlechten Zustand, dass sie nicht mehr transportfähig waren. „Völlige Entkräftung, Entzündungen, Durchfall und Pilzinfektionen“, lautete die Diagnose. Die Empfehlung der Veterinäre: sofortige Tötung. Und das geschah auch! Unter absoluter Geheimhaltung. Angeblich wurden sie nicht geschlachtet, sondern euthanasiert. Man kann nur hoffen, dass dies fachgerecht gemacht wurde. Die Tiere nicht einen langen, schmerzhaften Tod durch eine Giftspritze starben. Das Ende eines unwerten Daseins. Eines Lebens voller Qualen und Leid.

Dieser Transport ist leider kein Einzelfall
Völlig umsonst gestorben, da jetzt auch ihr Fleisch nicht mehr verwertbar ist. Die Leidensgenossen auf der „Elbeik“ sind diese Tage auch in Kartagena angekommen, mit 179 bereits verendeten Tieren am Bord! Was mit den noch lebenden Rindern passieren wird, muss noch geklärt werden. Jene, die noch fit genug sind, sollen sogar weitertransportiert werden – unfassbar!

Skandal erzeugt Aufmerksamkeit
So traurig es ist, diese Jungstiere haben Aufmerksamkeit erregt. Die Welt hat gesehen und erkannt, was wir Tieren antun. Vielleicht schaffen wir es nun gemeinsam, diesem Irrsinn ein Ende zu setzen. Denn täglich sind solche „Schreckensschiffe“ unterwegs. Täglich erleiden Tausende fühlende Geschöpfe diese Qualen.

Unterschreiben auch Sie bitte die Transportpetition der „Vier Pfoten“ unter: www.vier-pfoten.at/tiertransporte. Jede Stimme zählt!

Ein krankes System
Die Recherche zu diesen Schiffstransporten war nahezu unerträglich. Mit Tränen in den Augen habe ich mir die Videos dazu angesehen – aber man übersteht dies nicht ohne „Erholungspausen“, da sie unfassbares Tierleid offenbaren. Es ist entwürdigend, wie wir mit Mitgeschöpfen im 21. Jahrhundert umgehen. Aber offenbar heiligt der Zweck jegliche Mittel. Es ist ein Profitstreben um jeden Preis – dass es sich bei der Fracht nicht um Autos sondern um Lebewesen handelt, ist dabei völlig egal.

Die Frage ist, warum wir noch immer Millionen Tiere per Lkw oder Schiff quer durch die Welt karren? Seit Langem wird ein Verbot von Lebendtiertransporten gefordert. Auf Kühlwägen umzusteigen wäre eine Alternative. Und: eine Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie und der Lebensmittelindustrie würde ebenfalls dazu beitragen, dass Tiere nicht zur Transportware verkommen. Es ist an der Zeit dieses kranke System hinter uns zu lassen! Wir können nur aufzeigen - die Politik muss handeln! Besser heute als morgen!

Maggie Entenfellner
Maggie Entenfellner
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Freitag, 16. April 2021
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