Präsidentin geht voran

Powerfrau aus Niederösterreich setzt Akzente

Gabriele Jüly (48) ist Präsidentin des Verbands der Abfallentsorger. Die Mutter von drei Söhnen sorgt für Furore in der Männerdomäne und nimmt sich bei kritischen Themen kein Blatt vor den Mund - ein Vorbild für viele junge Frauen!

Morgen ist Weltfrauentag. Was sind die größten Hürden für das weibliche Geschlecht?

Eigentlich ist es schon tragisch, dass es solche Tage geben muss, um die weibliche Leistung hervorzuheben. Gerade jetzt wird klar, wer die größte Last der Familie trägt. Ansonsten bessert es sich vor allem in der Politik – siehe Österreich und Europa, dass Frauen im Vormarsch sind. Dass Beruf und Familie oft nur schwer vereinbar sind, ist aber noch immer traurige Realität. Viele Kindergärten haben noch immer Öffnungszeiten wie im letzten Jahrhundert.

Sie übernahmen vor 20 Jahren einen Familienbetrieb mit drei Mitarbeitern, heute sind Sie die Chefin von 65. Wie haben Sie das geschafft?

Meine Mutter hat mich überredet, in ihrem kleinen Entsorgungsbetrieb mitzuarbeiten. Eigentlich sah meine Lebensplanung anders aus, und ich wollte nicht fix in dieser Branche arbeiten. Ich habe mich anfangs viel durchgefragt und erst im Laufe der Jahre immer mehr Selbstvertrauen bekommen. Es waren Millionen kleiner Schritte, oft auch wieder retour – aber immer mit loyalen Mitarbeitern, die den Erfolg ausmachen.

Sie sind Mutter von drei Söhnen. Wie oft müssen Sie Fragen nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beantworten? Männer werden ja oft nicht gefragt

(Lacht) Stimmt – Männer werden nie gefragt, wo ihre Kinder gerade sind! Sie werden auch nie gefragt, wer die Kinder ins Bett bringt, wenn sie einen Abendtermin haben. Männer werden nie gefragt, wie sie Beruf und Familie vereinen. Männer werden kaum gefragt, ob sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ein krankes Kind zu Hause haben und trotzdem arbeiten müssen. Dabei gibt es auch wohl viel mehr Rabenväter als Rabenmütter. Obwohl es schon lange gesetzlich geregelt ist, dass bei Berufstätigkeit der Mütter, Väter genauso im Haushalt mitarbeiten müssen.

Ein Job in der Abfallwirtschaft erscheint auf den ersten Blick nichts für Frauen zu sein, Ihre Karriere beweist aber das Gegenteil. Was ist für Frauen in dieser Branche interessant?

Unsere Branche bietet viele Möglichkeiten und Jobs, die mit viel Freizeit und Privatleben vereinbar sind. Wir sind eine innovative Zukunftsbranche, wer aktiv in einem Green Job arbeiten möchte, kann sich in unserer Branche perfekt verwirklichen! Wir bieten auch einen spannenden Lehrberuf an.

Was würden Sie Frauen raten, die in männerlastigen Branchen arbeiten wollen?


Eine dicke Haut zulegen. Humor und Flexibilität sind ja auch weibliche Attribute.

Josef Poyer
Josef Poyer
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