02.03.2021 07:30 |

Weltfrauentag-Serie

Medizinerin: „In der Führung dominieren Männer“

Zum Weltfrauentag am 8. März gibt die „Steirerkrone“ starken Frauen in unserem Bundesland eine Stimme. Regina Roller-Wirnsberger ist Ärztin, Forscherin, Dozentin und Mutter zweier Kinder. Aus ihrer Forschung weiß sie, dass auch in der Medizin Frauen benachteiligt werden - und das kann schlimme Konsequenzen haben.

Mich hat der Beruf nie interessiert, sondern das Thema“, beschreibt Regina Roller-Wirnsberger ihre Jobwahl. Im gläsernen Untergeschoß des Hörsaalzentrums mitten im – für Unkundige – Labyrinth des LKH-Universitätsklinikums Graz erzählt sie von ihrem Weg in die Medizin. „Einen familiären Hintergrund hat es nicht gegeben, aber Lehrer, die etwas in mir geweckt haben.“ Heute bildet sie als Professorin der MedUni zukünftige Ärztinnen und Ärzte aus.

Neben ihrem Fachgebiet, der Altersmedizin, beschäftigt sich Roller-Wirnsberger auch mit Gender-Medizin. In der Disziplin geht es um die Geschlechter-Unterschiede in der Behandlung.

Infarkte können für Frauen tödlicher sein
Wie also unterscheiden sich Männer und Frauen in der Medizin, abseits der Gynäkologie? „Frauen haben oft atypische Symptome, die nicht gelehrt werden“, erklärt Roller-Wirnsberger. Deswegen werden Krankheiten später oder nicht richtig diagnostiziert. „Für Frauen endet ein Herzinfarkt häufiger tödlich, eine Rehabilitation dauert länger.“ Generell leidet ihre Lebensqualität nach akuten Erkrankungen mehr – weil Frauen die sogenannte Care-Arbeit, also Haushalt, Kinderbetreuung etc., nicht einfach pausieren können wie Lohnarbeit. Auch Medikamente können beim weiblichen Geschlecht anders wirken, „weil sie lange Zeit an jungen Männern getestet wurden.“

Woran liegt das alles? „Der Blick auf die Patienten ist patriarchal geprägt. In der Führungsebene dominieren die Männer. Das liegt nicht daran, dass Frauen das nicht können. Sie sind für den Mediziner-Beruf extrem geeignet. Aber sie haben wegen des Rollenbildes in unserer Gesellschaft Verpflichtungen, die Männer nicht haben.“

Familie und Job: Das Gefühl, sich zu zerreißen, sich ständig schuldig zu fühlen, habe sie auch selbst erlebt. „Ich habe auch Kinder. Und ich bin teilweise verzweifelt.“ Damit sich das System ändert, müsse man Frauen fördern.

Trotz all dem bezeichnet sich Roller-Wirnsberger nicht als Feministin – ist aber stolz darauf, dass ihre 23-jährige Tochter Gleichberechtigung in der Partnerschaft lebt und einfordert. „Ich wurde da einfach anders geprägt. Im Beruf stehe ich meine Frau. Zu Hause habe ich eine andere Rolle.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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