Netflix-Doku

Pele: Ein Held, aber nur auf dem Fußballplatz

Pele, der vielleicht größte Fußballer aller Zeiten, lehnte sich nicht gegen die Militärdiktatur in Brasilien auf. Er schüttelte sogar die Hand von Menschen, die für die Tötung von Tausenden verantwortlich waren. Das zeigt unter anderem die neue Netflix-Doku über den König der Fußballer.

„Das große Geschenk des Sieges war nicht die Trophäe, sondern die Erleichterung“, sagt die brasilianische Fußball-Legende Pele in einer am Dienstag veröffentlichten Netflix-Dokumentation über ihn. Der dreimalige Weltmeister bezieht sich dabei vor allem auf die WM 1970 in Mexiko, bei der die Selecao den nach Meinung vieler bis heute schönsten Fußball gespielt habe. In jener Zeit herrschte in Brasilien aber auch eine Militärdiktatur, die den Fußball instrumentalisierte.

„In diesem Moment wollte ich nicht Pele sein“, sagt der 80-jährige Brasilianer. Dass sich der „König des Fußballs“ - ungewohnt mit einer Gehhilfe an seinem Rückzugsort zu sehen - über Politik, die Diktatur, Folter und seine fehlende Positionierung äußert, unterscheidet die Netflix-Doku von vielen anderen Filmen und Büchern über ihn.

Nach dem Gewinn der WM 1958 war Pele zum Symbol eines Brasilien geworden, das sich aufmachte, seinen „Straßenköter-Komplex“ zu überwinden und zu einem modernen Land zu werden. 1970 schüttelte Pele dem Diktator Emilio Garrastazu Medici lächelnd die Hand. Dennoch vermeiden es im Film selbst Kritiker, Pele zu verurteilen. „Auch wenn die Diktatur versuchte, sich den WM-Titel 1970 anzueignen - es war nicht der Sieg Medicis, es war der Sieg Peles“, sagt beispielsweise der renommierte brasilianische Sportjournalist Juca Kfouri, der mit dem 2011 gestorbenen Fußballer Socrates, einem Kämpfer für die Demokratie, befreundet war.

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