12.02.2021 06:00 |

Expertinnen erklären

Arbeitslosigkeit: Krise trifft die Frauen härter

35,5 Prozent mehr weibliche Arbeitslose als im Vorjahr - so lautet die AMS-Bilanz im Jänner. Männer sind weniger stark betroffen. Woran das liegt, wissen Arbeitsmarkt-Expertinnen.

Die Hotelbetten bleiben leer. Die Gaststuben in den Wirtshäusern sind verwaist. Die Hemden und Kleider hingen bis vor Kurzem einsam im Geschäft.

Die Corona-Krise hat viele Gesichter und betrifft viele Menschen. Am Arbeitsmarkt scheinen es vor allem Frauen zu sein: Die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Jänner 2020 ist bei den Steirerinnen mehr als doppelt so hoch gestiegen wie bei den Steirern (35,5 Prozent vs. 17 Prozent). 5769 Frauen haben im Bundesland ihren Job verloren. In totalen Zahlen sind es aber noch immer mehr Männer, die Arbeit suchen.

Woher kommt dieser Unterschied? „Arbeitslosigkeit zieht sich durch fast alle Branchen, aber drei sind besonders große Treiber“, erklärt Ulrike Huemer. Die Volkswirtin, die in Graz studiert hat, arbeitet als Ökonomin am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. „Das sind vor allem Hotellerie und Gastronomie, Handel und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen wie Reinigungskräfte.“ Im Beherbergungswesen arbeiten 61 Prozent Frauen. „Die Wintersaison fällt flach. Das trifft Frauen stärker“, erklärt Huemer. In der Branche gibt es um 70 Prozent mehr Arbeitslose.

Fehlendes Netzwerk drängt Mütter in Teilzeit
Bernadette Pöcheim, Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung in der Arbeiterkammer Steiermark, merkt bei ihren Beratungen noch einen anderen Trend: Wenn junge Mütter nach der Karenz zurückkehren, dann nehmen sie oft noch weniger Teilzeit-Stunden, um dem Arbeitgeber entgegen zu kommen. „Das wirkt sich vor allem massiv auf die zukünftige Pensionen aus. Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit - ob man 30 oder zwölf Stunden arbeitet, macht einen Riesen-Unterschied“, sagt Pöcheim.

Durch das Wegfallen von Schule, Kindergarten, Sportverein, Musikunterricht und Großeltern werden auch Vollzeit berufstätige Mütter zurück in die Teilzeit gedrängt. „In der Nacht zu arbeiten hält man kurz aus, aber nicht auf Dauer. Die Reserven der Familien sind aufgebraucht.“ Alleinerzieher haben es noch einmal schwerer, auch, weil Unterhaltszahlungen wegen Kurzarbeit eventuell geringer ausfallen.

Was am besten gegen Arbeitslosigkeit schützt, wissen beide Expertinnen: Qualifikationen und Ausbildungen. Doch auch dafür fehlt vielen die Zeit und Energie, sagt Pöcheim. Was helfen kann, ist eine bessere Infrastruktur in der Kinderbetreuung und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in der Familie.

Nach der Krise droht Langzeitarbeitslosigkeit
Nun bleibt zu hoffen, dass der Sieg gegen das Virus auch das Wiedererstarken der Konjunktur bedeuten wird. Aber es herrscht Gefahr, sagt Ökonomin Huemer. „Die letzte Krise hat gezeigt, dass eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit droht. Viele, die im ersten Lockdown ihren Job verloren haben, sind bald langzeit-beschäftigungslos. Es ist dann schwieriger, sie wieder auf den Markt zu holen.“

Besonders gefährdet sieht Huemer gesundheitlich beeinträchtigte Personen, gering Qualifizierte und ältere Arbeitssuchende. „Wichtig ist, dass diese Gruppen ihren Job gar nie verlieren. Deswegen ist die Kurzarbeit ein gutes Instrument.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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