10.01.2021 11:00 |

Neues Buch

Helle Köpfe sorgten für Sternstunden an Grazer Uni

Ein Psychologe erfand den ersten Lügendetektor, ein Professor wurde Hofmathematiker beim Kaiser von China, eine Frau eroberte die männliche Wissenschaftsdomäne. Und alle wirkten an der Grazer Uni.

Zittern, Schwitzen, hastiges Atmen, schneller Puls: Tja, ob eine Person tatsächlich die Wahrheit sagte oder doch als dreister „Lügenbaron“ entlarvt wurde, das bemerkten anno 1913 nicht nur sehr gute Menschenkenner, sondern neuerdings auch ein gefinkeltes technisches Gerät: Vittorio Benussi erfand das entlarvende „Wunderding“, den ersten Lügendetektor, einen so genannten Polygrafen.

Was diese clevere Erfindung mit der Steiermark zu tun hat? Benussi war ein Schüler von Alexius Meinong, der ab den 1880er-Jahren als Professor für Philosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz wirkte. Er galt als großer Denker und scharte zahlreiche Studenten, die fasziniert an seinen Lippen hingen und die unglaublichen Experimente beobachteten, um sich. So eben auch den späteren „Vater“ des Lügendetektors.

Mondkrater nach Grazer Wissenschafter benannt
Wussten Sie, dass ein Krater auf dem Mond nach einem Wissenschafter, der an derselben Bildungseinrichtung in der Landeshauptstadt unterrichtete, benannt ist? Wir auch nicht. Christoph Grienberger trug ab 1597 Mathematik an der Grazer Uni vor und verfasste die Werke „Neuer Fixsternkatalog“ und „Neues Himmelsbild“. Der Top-Astronom entwickelte sogar einen so genannten Heliotrop, mit dem er Sonnenflecken beobachten konnte. Und das im 16. Jahrhundert! Er stellte sich zudem auf die Seite von Galileo Galilei, dem die Inquisition zu jener Zeit auf den Leib rückte. „Gruemberger“ heißt übrigens der Mondkrater.

Zu den namhaftesten Gelehrten dieser Zeit zählte auch der Jesuit Paul Guldin. Der gelernte Goldschmied aus dem Kanton St. Gallen fiel als Mathematik-Genie auf, ging nach Rom und von dort nach Graz. Sein Name ist mit der Guldin’schen Regel zur Berechnung des Inhalts von Rotationskörpern verbunden. Ab 1618 korrespondierte er mit dem berühmten Astronomen Johannes Kepler, der ebenfalls an der Uni Graz tätig war.

Der Hofmathematiker des Kaisers von China
Christian Wolfgang Herdtrich studierte ebendort ab 1654. Sein Lebensweg liest sich wie ein spannender Abenteuerroman: Als Professor für Humanität verschlug es ihn nach Peking. Für Europäer damals völliges Neuland. 1671 wurde er zum Hofmathematiker des Kaisers von China berufen, ein Buch über den Philosophen Konfuzius, bei dem er mitwirkte, avancierte zum China-Bestseller.

1907 eröffnete die erste Ärztin ihre Ordination
Freilich glänz(t)en auch zahlreiche Frauen am Hochschul-Parkett der Murmetropole: Als Seraphine Puchleitner 1902 zur ersten „Frau Doktor“ (Philosophie) promoviert wurde, raschelte es im „Blätterwald“. Die Wissenschaft sei nun nicht mehr nur Privileg des Mannes, hieß es in den Zeitungen. Premiere feierte fünf Jahre später auch eine Akademikerin, und zwar Oktavia Aigner-Rollett: Die Medizinerin eröffnete als erste Frau eine Praxis als Ärztin in Graz.

All diese einzigartigen Wissenschafter und ihre historischen Leistungen wieder vor den Vorhang geholt hat Professor Alois Kernbauer: Der Leiter des Grazer Universitätsarchivs hat aktuell das Buch „Science Trail Graz“ - erschienen im Leykam-Verlag - verfasst. „Damit möchte ich auf die Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Graz hinweisen.“

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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