30.12.2020 06:00 |

Andreas Schicker

Böller explodiert: „Ich habe daraus gelernt“

23. November 2014: Dieses Datum vergisst Sturm-Graz-Sportchef Andreas Schicker nie. Damals explodierte ein Böller und riss ihm die linke Hand ab. Uns erzählt er seine Geschichte.

Er hat mit dem Thema eigentlich abgeschlossen, will nicht mehr unbedingt darüber reden. Für unsere Initiative „Stille Steiermark“ macht der sympathische Obersteirer Andreas Schicker, früher Profi-Fußballer, jetzt Sportdirektor bei Sturm, eine Ausnahme. Wobei er betont: „Ich mach’ das nicht mit erhobenem Zeigefinger oder warne, dass niemand einen Böller angreifen soll. Ich kann nur meine Geschichte erzählen. Und was ich daraus gelernt habe.“

Böller beim „Händler ums Eck“ gekauft
Eigentlich schon für die Jahreswende auf 2014 hatte er bei einem Händler ums Eck einen Böller gekauft. „Auf den hab’ ich dann total vergessen, bis er am 23. November irgendwo im Haus aufgetaucht ist.“ Den zünden wir, beschlossen er und ein Freund. Und setzten das in Bruck in die Tat um. Einfach so aus Spaß.

Der wurde blitzschnell bitterster Ernst: „Ich habe ihn in der linken Hand gehalten, weil ich Linkshänder bin, ihn angezündet - und er ist explodiert.“ Das alles ging so schnell, dass er die ersten Minuten gar nicht richtig realisieren konnte. „Ich hab’ nur den Riesenklescher gehört und hatte plötzlich ein richtiges Surren im Ohr. Die Verletzung an der Hand hab ich zuerst gar nicht bemerkt. Die Schmerzen sind erst später gekommen, das war der Schock.“ Schicker ging noch zur Polizeistation in der Nähe, „und da hab’ ich mit dem Ellbogen klingeln müssen. Da war mir durch das viele Blut schon klar, dass da was Schlimmeres passiert ist“.

Krach mit Folgen
Die Folgen: Amputation in einer zehnstündigen Operation, weitere Folgeeingriffe, Reha. „Das alles hat wirklich lange gedauert. Drei Monate war ich völlig auf externe Hilfe angewiesen“, sagt der Steirer, der als Linkshänder noch dazu alles auf rechts umlernen musste.

Dann kam die Prothese, der mühsame Prozess, diese richtig einzusetzen, so zu bedienen, dass sie zum Teil des Körpers wird. „Ich würde lügen, wenn ich sage, ich habe nie mit all dem gehadert. Aber: Irgendwie aufzugeben war nie eine Option für mich. Ich hatte nämlich von Anfang an ein klares Ziel vor Augen: wieder Fußball zu spielen!“ Das hat er geschafft, „und zwar so, dass Gegenspieler oft nicht gemerkt haben, dass da eine Prothese ist“.

„Die Mama hatte uns davor immer gewarnt“
Die ganze Zeit, vor allem während der Reha, wäre für ihn sehr prägend gewesen, sagt er heute. „Es fallen einem dann so Sätze ein, wie dass die Mama immer gesagt hat, dass wir keine Böller angreifen sollen. Aber manchmal muss halt offenbar etwas passieren, damit man das auch glaubt.“ Der Böller selbst hätte vom Händler gar nicht an ihn verkauft werden dürfen, „sondern nur an Pyrotechniker“. Auch hätte er offenbar nicht richtig funktioniert. Aber: „Ich habe ihn gezündet. Ich mache keinen verantwortlich, außer mich selbst.“

Er würde nie etwas sagen wie: Finger weg von Krachern und Co. „Aber soviel sage ich: Ich selbst oder meine Freunde, die den Unfall und meinen langen Weg zurück miterlebt haben, würden nie mehr einen angreifen.“

Silvesterfeuerwerk: Was erlaubt ist und was nicht
Millionen von Raketen, Krachern und Böllern werden alljährlich abgefeuert, um das neue Jahr gebührend zu empfangen. Anders als in Deutschland, wo der Verkauf von Feuerwerken und Pyrotechnik heuer verboten wurde, ist das in Österreich trotz des Corona-Lockdowns erlaubt. Allerdings ist - was die wenigsten wissen - die Verwendung von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 (z.B. Schweizer Kracher, Kleinraketen, Bodenfeuerwerke wie Vulkane oder Feuerräder etc.) im Ortsgebiet ohnehin grundsätzlich ganzjährig verboten.

Christa Blümel
Christa Blümel
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