17.12.2020 06:00 |

Pro und contra

Das sagen Prominente zum Urteil über Sterbehilfe

Durchbruch oder Dammbruch? Das Verbot der Hilfeleistung zum Suizid verstößt gegen das Recht auf Selbstbestimmung, so der jüngste Spruch des Verfassungsgerichtshofs. Die Reaktionen sind heftig: Die „Krone“ hat Prominente um ihre Meinung zu diesem Thema gebeten.

Kaum ein Urteil der österreichischen Verfassungsrichter hat in jüngster Zeit für so viel Aufregung gesorgt wie das jüngste zur Sterbehilfe. Wie berichtet, sehen es die Juristen rund um den Steirer Christoph Grabenwarter als verfassungswidrig an, „jede Art der Hilfe zur Selbsttötung ausnahmslos zu verbieten“. Mit einem Wort: Die Strafbarkeit der Beihilfe zum Suizid wurde gekippt. Durchbruch oder Dammbruch? Die „Steirerkrone“ hat mit drei prominenten Österreichern über dieses heikle Thema gesprochen.

Liedermacher Joesi Prokopetz war „angenehm überrascht, dass sich der VfGH entgegen massiv irrationaler und inhumaner Argumente“ zu diesem Urteil entschlossen habe, wie er sagt: „Ich unterstütze im Allgemeinen alles, was Selbstbestimmung generiert. Im Besonderen ist mir das selbstbestimmte Lebensende immer schon ein großes Anliegen gewesen.“

„Als Untoter eine ekelhafte Lebenssituation ertragen“
„Auch in eigener Sache, „um selbst rechtmäßig darauf zurückgreifen zu können“: „Denn nichts wäre mir persönlich unerträglicher, als ein bereits ,Untoter‘ eine mir ekelhafte Lebenssituation ertragen zu müssen. Für mich endet mein Leben, wenn ich nicht mehr Herr über meinen Körper und dessen Äußerungen bin und dieses für mich wertlose Existieren auf eigenen Wunsch beenden kann.“

In trauriger Erinnerung ist dem beliebten Kabarettisten das Sterben seiner Mutter geblieben: „Sie lag fast ein Jahr halbseitig gelähmt, ohne Wahrnehmung, gewissermaßen bereits halbtot, auf einer Station mit Leidensgenossinnen, und hat sich als Zeichen für den Wunsch nach Erlösung immer wieder mit dem noch beweglichen Arm die Decke über das Gesicht zu ziehen versucht.“ Das sei für ihn „jedes Mal eine erschütternde Symbolik“ gewesen.

„Eine schmerzliche Entscheidung“
„Schmerzlich“ nennt wiederum die ehemalige Landeshauptfrau der Steiermark, Waltraud Klasnic, im „Krone“-Gespräch den Sterbehilfe-Entscheid. Als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich kämpft sie unermüdlich darum, Menschen ein Lebensende in Würde zu ermöglichen: „Wir haben jetzt dafür zu sorgen, dass die Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich flächendeckend, leistbar und wohnortnahe ausgebaut wird.“ Es gebe etwa schon jetzt für Patienten die Möglichkeit, Medikamente abzulehnen. „Diese Information muss aber auch weitergegeben werden."

Froh ist die Steirerin, dass eine Regelfinanzierung für die Palliativ- und Hospizbetreuung von Kindern und Erwachsenen im Familien-Ausschuss des Nationalrats einstimmig beschlossen wurde. Und sie erinnert angesichts der emotionalen Debatte auch daran, „dass ja auch am Beginn unseres Lebens andere Menschen uns begleitet und betreut haben“.

Bischof schwer enttäuscht
Für die Kirchen war der richterliche Paukenschlag ebenfalls eine Enttäuschung. Der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zeigt sich gegenüber der „Krone“ betroffen, weil damit der Grundkonsens der Solidarität mit dem Wort „Selbstbestimmung“ außer Kraft gesetzt worden sei. Wie seine österreichischen Amtskollegen ortet auch er einen Dammbruch, „zumal menschliches Leben, Leiden, Behinderung und Sterben verhandelbar“ geworden seien, so Krautwaschl.

Und der Steirer Franz Lackner, Vorsitzender der Bischofskonferenz, kritisiert, dass „die selbstverständliche Solidarität mit Hilfesuchenden in unserer Gesellschaft durch dieses Urteil grundlegend verändert“ werde.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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