22.10.2020 09:00 |

Top-Job vergeben

Grüne Postenschacher: BM Willi zog den Kürzeren

Die Innsbrucker Koalitionsparteien probten bei der Bestellung der neuen Magistratsdirektorin den Aufstand: BM Willi brachte seine Wunschkandidatin nicht durch. Rätselraten herrscht hingegen im Landtag über einen grün-schwarzen Antrag zur Schaffung einer Doktoratsstelle um 122.000 Euro.

Diesen Tag muss man sich fast im Kalender rot anstreichen: Die Innsbrucker Stadtregierung hat einen einstimmigen Beschluss zusammengebracht! Sie hat Gabriele Herlitschka, die bisherige Leiterin des Amts für Jugendwohlfahrt, als neue Magistratsdirektorin bestellt. Und was richtig Seltenheitswert hat: Sogar die oppositionelle FPÖ hat mit der Regierung mitgestimmt! Es geschehen noch Zeichen und Wunder....

Die gebürtige Salzburgerin Herlitschka ist seit knapp 20 Jahren Bedienstete der Stadt und kennt die Gepflogenheiten des 1500 Personen umfassenden Innsbrucker Beamtenapparats im Detail. Die Ausbildung als Sozialarbeiterin kommt ihr mit Sicherheit zupass, ein abgeschlossenes Masterstudium in Organisationsentwicklung sowieso.

„Postenschacher-Alarm“
Doch es wäre nicht die grün-geführte Stadtregierung, wenn es im Vorfeld nicht wieder einmal „Postenschacher-Alarm“ gegeben hätte. Bis zum Schluss beharrte nämlich der Grüne Bürgermeister Georg Willi auf einer Neuausschreibung, nachdem einer der verbliebenen Kandidaten seine Bewerbung zurückgezogen hat und Willi erkennen musste, dass er für seine Wunschkandidatin aus dem grünen Umfeld partout keine Mehrheit im Stadtsenat bekommen hätte. Ein Betriebsunfall also, diesmal aber nur mit Blechschaden!

Posse dauert ein Jahr
Auf der Strecke bleiben jene Mitarbeiter, die sich wegen vermeintlich fehlender Erfolgsaussichten nicht mit der von BM Willi favorisierten Kandidatin matchen wollten. Sie werden sich jetzt wohl ärgern über die vergebene Chance. Verlierer ist aber auch der – mit seinem Wissen – widerrechtlich betraute Magistratsdirektor Herbert Köfler. Ob Willi für ihn eine neue Aufgabe findet und damit die ein Jahr andauernde Posse um die Neubestellung endet, wird sich zeigen. Herlitschka soll ihre neue Stelle im Feber 2021 antreten. Unklar ist, ob es bei der Nachbesetzung wieder ein teures Personalbüro braucht.

Politische Bildung 
Politische Bildung ist wichtig. Aber ob sie so wichtig ist, dass dafür nun ein Doktoratsstipendium „Politische Bildung“ an der Franzens-Universität aus dem Boden gestampft werden muss, darüber gehen die Meinungen im Landtag auseinander.

Stelle maßgeschneidert
Denn die Stelle ist in Zeiten knapper Kassen nicht nur mit 122.000 Euro auf drei Jahre dotiert, sie soll maßgeschneidert sein für eine Bewerberin aus dem grünen Umfeld. Initiiert wurde der Regierungsantrag dem Vernehmen nach von Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha (Grüne).

Der schwarze Regierungspartner musste wohl oder übel mitziehen - das Zähneknirschen ist bei so manchen VP-Mandatar unüberhörbar. Denn der Landtag hat im Bereich politische Bildung bereits eine ganze Reihe von Initiativen gesetzt - die im Antrag sogar einzeln aufgezählt sind!

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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