29.08.2020 08:15 |

Alpinunglücke in Tirol

Todesdramen: Der Zufall führte hier traurige Regie

Die Deutsche, die am Donnerstag auf der Kaltwasserkarspitze im Tiroler Karwendel in den Tod stürzte, ist das zweite Todesopfer auf diesem Berg an nahezu derselben Stelle in einem Monat. Ein Ende Juli als vermisst gemeldeter Mann war dort nach mehrtägiger Suche tot gefunden worden. Experten warnen vor den Tücken der Tour.

Wieder geschah der Unfall am Grat, der vom Gipfel nach Süden verläuft, im Bereich der sogenannten Sägezähne. Die 47-jährige Deutsche stürzte aus noch unbekannter Ursache rücklings rund 70 Meter nach Osten ab, als sie einen Felsturm überklettern wollte. Ein 38-jähriger Landsmann war Ende Juli ebenfalls östlich unterhalb der Sägezähne tot entdeckt worden. Die genaue Unfallursache konnte damals nicht mehr ermittelt werden, zumal sich der Deutsche ganz allein auf Tour befand.

Die 2733 Meter hohe Kaltwasserkarspitze ist der östliche Nachbar der wesentlich bekannteren Birkkarspitze. Der Gipfel fällt mit einer Steilwand zum Kleinen Ahornboden ab.

Alle Anstiege fordernd
Keiner der Anstiege kann als leicht bezeichnet werden. Der Zustieg von der Kastenalm im Hinterautal bei Scharnitz über die Sägezähne ist an sich die bekannteste Route. Den hat auch die Deutsche am Donnerstag gemeinsam mit einer 40-jährigen Alpinistin (ebenfalls aus Deutschland) gewählt. Zuvor waren die beiden mit dem Mountainbike zur Kastenalm gefahren. Der folgenschwere Absturz passierte während des Abstiegs.

Anstrengende Tour
Christoph Waltl, Ortsstellenleiter der Bergrettung Scharnitz, kennt die Charakteristik des vierthöchsten Karwendelbergs und die Route über die Sägezähne genau. „Grundsätzlich handelt es sich um eine anstrengende und lange Tour. Von Scharnitz aus müssen rund 1750 Höhenmeter überwunden werden“, informiert Waltl.

Der Zustieg verläuft im schweren Gehgelände mit Passagen im oberen zweiten Schwierigkeitsgrad. Der Grat, der zum Gipfel führt, ist insgesamt bemerkenswerte zwei Kilometer lang. Sobald man sich auf dem Grat befindet, müsse man stets hoch konzentriert sein, selbst in den scheinbar leichteren Abschnitten, betont der Experte. Dies sei auch wegen des mitunter sehr brüchigen Geländes erforderlich. Ein Stein könne sich rasch lösen - mit verheerenden Folgen.

Die zeitliche Nähe und die fast identischen Unfallstellen hält Waltl eher für zufällig. „In den vergangenen Jahren gab es dort eigentlich nie gröbere Unglücke“, sagt der erfahrene Bergretter.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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