27.08.2020 06:30 |

Dramatische Stunden

Nach Absturz: Grazer Hagelabwehr unter Schock

Der Schock über den Unfall der Kollegen sitzt tief. Viel Zeit, um den Horror-Crash zu verarbeiten, bleibt nicht für die Grazer Hagelabwehr - das nächste Gewitter zieht auf, und es werden immer mehr.

„Wir sind abgestürzt“, sagt eine zitternde Stimme am anderen Ende der Leitung. „Wo?“ - „Ich weiß es nicht. Weißt du, wo?“ Ende.

Nach dem Hilferuf seines Kollegen ist Josef Mündlers Kärnten-Urlaub am Samstag mit einem Schlag beendet. „Ich hab sofort gewusst, was passiert sein muss, und auch in etwa wo“, erinnert sich der Leiter der steirischen Hagelabwehr an die dramatischen Stunden. Die Rettungskette wurde in Gang gesetzt, letztendlich konnten die verunfallten Piloten unter heikelsten Bedingungen auf einer Wiese im weststeirischen Hochgößnitz geborgen werden.

Der eine eingeklemmt, kopfüber im Flugzeug hängend, der andere zusammengekauert vor dem Wrack, beide mit zahlreichen Knochenbrüchen und anderen Verletzungen. „Man kann sich gar nicht vorstellen, was die Männer aushalten mussten - körperlich wie psychisch. Es hat ja eine Zeit gedauert, bis man sie finden konnte“, ist der 67-jährige Mündler noch immer tief betroffen.

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Man kann sich gar nicht vorstellen, was die Männer aushalten mussten - körperlich wie psychisch. Es hat ja eine Zeit gedauert, bis man sie finden konnte.

Josef Mündler

Dennoch muss der Betrieb weitergehen. „Der heurige Sommer ist extrem. Bereits am Wochenende steht uns die nächste markante Gewitterfront ins Haus“, prophezeit Mündler nichts Gutes. Acht Piloten und vier Spezialflieger stehen zur Verfügung. Zur Ausbildung gehören zumindest fünf Jahre Erfahrung als Privat-Pilot sowie zwei als Co-Pilot in einem Hagelabwehrflieger. Brauen sich wieder einmal dunkle Gewitterwolken über der Steiermark zusammen, steigen die Spezialisten auf, um die Hagelkörner mithilfe einer Silberjodid-Impfung noch in den Wolken kleinzuhalten. „Wir sind weder Hasardeure noch Helden. Wir haben ja allesamt Familien und wollen heil wieder herunterkommen“, betont der Eggersdorfer.

Die ersten Tornados kündigen sich bereits an
86 steirische Gemeinden zählt man heute zum Kundenstock - Tendenz steigend: „Wir haben immer mehr Anfragen von Bürgermeistern, die unsere Unterstützung bräuchten. Kein Wunder, bei den vielen Extrem-Ereignissen“, sagt Mündler. Denn eines steht für den erfahrenen Mann außer Zweifel: „Die schweren Gewitter werden von Jahr zu Jahr mehr.“ Und auch deren Intensität würde zunehmen: „Bis ins Jahr 2000 war ein Gewitterturm maximal 10.000 Meter hoch, mittlerweile messen wir 17.000 Meter und mehr“, erzählt der Betriebsleiter.

Darüber hinaus werden auch Stürme stärker - Mündler: „Wir registrieren seit Kurzem sogenannte Funnel-Clouds (übersetzt: Trichter-Wolken, Anm. d. Redaktion), das ist die Vorstufe zum Tornado.“

Mut zum Neinsagen als wichtigstes Instrument
Wann ein Einsatz erfolgreich verlaufen ist? „Wenn man mit dem Flugzeug zur rechten Zeit am richtigen Ort war“, ist für Josef Mündler die Antwort klar. Und was macht einen guten Piloten aus? Viele Flugstunden, ausgeprägte Intuition? „Viel mehr als all das zählen der Respekt vor der Natur und der Mut, Nein zu sagen“, meint der Steirer nach kurzem Überlegen. „Das hat mir sicher schon oft das Leben gerettet.“

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