21.08.2020 09:58 |

Erschreckende Bilanz

Mehr als 22.000 steirische Handy-Lenker erwischt

Die am Freitag veröffentlichte Vorjahres-Bilanz hat es in sich:  2019 hat die Exekutive in der Steiermark 22.105 Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, um 3231 mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Delikte wegen Telefonierens mit einem Handy am Steuer ohne Freisprecheinrichtung ist zum dritten Mal gestiegen, berichtete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) unter Berufung auf Zahlen des Innenministeriums.

Unfallrisiko steigt enorm
Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, macht der VCÖ aufmerksam. Es wurden in der Steiermark fast fünfmal so viele Handy-Lenker wie Alko-Lenker erwischt. Wer während des Lenkens ein SMS oder E-Mail schreibt, ist bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs, das Unfallrisiko steigt auf bis zu das 23-Fache. Der VCÖ spricht sich für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus und für verstärkte Kontrollen insbesondere im Ortsgebiet.

Mehr Kontrollen notwendig
Im Vorjahr wurden in der Steiermark im Schnitt jeden Tag 60 Lenkerinnen und Lenker beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, verdeutlicht der VCÖ. Die Zahl der geahndeten Handy-am-Steuer-Delikte ist in der Steiermark im Vorjahr um 3231 gestiegen und erreichte den höchsten Wert seit dem Jahr 2014, wie aktuelle Daten des BMI zeigen. Wie viele Vergehen geahndet werden, hängt aber vor allem auch von der Kontrolldichte ab, betont der VCÖ.

Dunkelziffer weit höher
Die tatsächliche Anzahl der Vergehen ist um ein Vielfaches höher. Eine Erhebung des KfV gab, dass Österreichs Autofahrer allein an einem Tag mehrere Hunderttausend Telefonate ohne Freisprecheinrichtung führen.

Gefahr ähnlich Alkoholkonsum
„Handy am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, sondern erhöht massiv das Unfallrisiko“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Handy-Telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde später. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben, wie ein Beispiel des VCÖ zeigt.

50-Euro-Strafe zu niedrig
Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem Pkw, der 30 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder, was zu schweren Verletzungen führen kann, verdeutlicht der VCÖ. Die derzeitige Strafhöhe von 50 Euro steht in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts.

Strafpunkte im Vormerksystem
In anderen Staaten Europas sind die Strafen für Handy-am-Steuer um ein Vielfaches höher. In Italien beträgt die Mindeststrafe 165 Euro, in Spanien und Dänemark jeweils 200 Euro, in Großbritannien umgerechnet 235 Euro und in den Niederlanden 240 Euro. In vielen Staaten ist Handy am Steuer auch ein Delikt im Punkteführerschein bzw. Vormerksystem. „Ein großer Vorteil der Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystems ist, dass damit gezielt bei jenen Lenkerinnen und Lenker, die ein Vergehen begangen haben, Bewusstseinsarbeit gemacht werden kann. Deshalb ist es wichtig, dass Handy am Steuer endlich auch in Österreich Teil des Vormerksystems wird“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer.

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