19.08.2020 07:00 |

Touristen-Ansturm

Steirische Land-Ambulanzen an der Kapazitätsgrenze

Viele steirische Regionen gehen im heurigen Corona-Sommer regelrecht über vor Touristen. Eine der Auswirkungen: Die Patienten-Zahlen in den Landspitälern explodieren. Ein besonders lauter Hilferuf kommt aus Bad Aussee: „Wir brauchen dringend mehr Personal!“, heißt es aus dem dortigen Spital.

Zehn Patienten werden normalerweise an einem durchschnittlichen Samstag im LKH Bad Aussee behandelt. Am vergangenen Wochenende waren es über 30: „Die Region ist voll mit Touristen, das bekommen natürlich auch wir zu spüren“, sagt Betriebsrat Gerhard Wechtitsch. Freizeitunfälle sind mit Abstand die stärksten Patientenbringer: „Stürze vom Rad sowie Wanderunfälle passieren am laufenden Band. Unsere Ambulanz geht teilweise über“, klagen die Angestellten.

Dienstplan mit weißen Flecken
Ärzte und Pflegepersonal wären längst am Limit - und das nicht erst seit Corona: „Das Dienstrad aufrechtzuerhalten, ist Monat für Monat eine Herausforderung. Wir benötigen dringend Hilfe aus Graz“, appelliert Wechtitsch an die KAGes als Spitalsbetreiber und das Landes-Gesundheitsressort.

Ennstal als Urlaubermagnet
Schauplatz-Wechsel ins 65 Kilometer entfernte Diakonissen-Krankenhaus in Schladming. Da sich auch im Ennstal im heurigen Ausnahmesommer besonders viele Gäste tummeln, spielen sich hier gerade ähnliche Szenen ab: „Es gibt Tage, da haben wir so viele Patienten in der Ambulanz, wie wir es eigentlich nur von starken Winterskitagen kennen“, erzählt Betriebsdirektor Hannes Stickler.

Ambulanz-Frequenz wie an starken Skitagen
Bis zu 100 Patienten täglich (und mehr) müsse man hier zur Zeit mitunter versorgen, für das Personal eine große Herausforderung: „Man darf ja nicht vergessen, dass wir nicht nur eine Unfallambulanz sind. Zu uns kommt auch das Kind mit Ohrenschmerzen und die Großmutter mit einer Kreislaufschwäche“, betont Stickler.

Ärzte-Arbeitszeitgesetz fernab der Realität
Über das geltende Arbeitszeitgesetz (maximal 48 Stunden pro Woche) kann man in Aussee nur müde lächeln, mehr Kreativität zur Problemlösung wird eingefordert: „Wieso kann man nicht im Rotationsprinzip Grazer Klinikärzte zu uns entsenden? Hier könnten sie direkt an der Front arbeiten und ihre Freizeit in einer wunderschönen Urlaubsregion verbringen“, meint Wechtitsch. „Wo ein Wille, da ein Weg!“, hofft der Betriebsrat auf „dringend notwendige Maßnahmen“.

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