14.08.2020 13:00 |

Zukunft Herdenschutz

Ein Startschuss ist wohl klüger als ein Schuss

Jene, die den Abschuss des Wolfes fordern, beißen sich die Zähne aus. Der Aufbau des Herdenschutzes scheint die einzige Chance für eine künftige Alpung der Schafe zu sein. Thomas Schranz zeigte am Donnerstag, wie es geht...

Der Ort der jüngsten Hiobsbotschaft ist gerade einen Steinwurf entfernt: In Spiss wurden am Wochenende fünf weitere tote Schafe aufgefunden. Konkreter Verdacht: Wolfsriss. Unweit östlich, in Tösens, versammelten sich am Donnerstag Journalisten, um just das in der Praxis kennenzulernen, was eben zukünftig Schafsrisse vermeiden soll: den Herdenschutz. Der WWF hatte dazu geladen.

„Müssen uns arrangieren“
Gefragt war die Expertise von jenem Mann, der noch vor Jahren selbst nur eine Lösung sah. „Die Sauviecher müssen abgeschossen werden“, polterte Schafbauer und Wanderschäfer Thomas Schranz damals. Er sei aber bald draufgekommen, dass der Schutz des Wolfes in Stein gemeißelt ist. Also habe er sich mit dem Herdenschutz beschäftigt, der in anderen Ländern längst gang und gäbe ist. „Wir müssen endlich akzeptieren, dass wir uns mit dem Beutegreifer arrangieren müssen.“

Auch ein Lama kann die Herde schützen
Die Journalistenfahrt mit der WWF-Spitze führt in die malerische „Pfundser Tschai“. Linksseitig ist bald das Exkursionsziel sichtbar, eine mit Elektrozaun umfriedete Fläche. „Die Nachtkoppel“, klärt Schranz auf. Im Haag allerdings für uns eher ungewohnte Gestalten: zwei Lamas. „Das Lama kann hundeähnliche Tiere nicht ausstehen“, sagt der Experte, „es bleibt bei einem Wolfsbesuch stehen. Dieser wiederum hat schon vor der Größe Respekt und zieht wahrscheinlich ab.“

Abschuss möglich, wenn...
Abziehen würden auch gerne viele Bauern, nämlich den Finger am Gewehr. „Der Schutzstatus wird nicht verändert, das wissen wir zu 100 Prozent. Der Abschuss eines Problemwolfes, der beispielsweise Zäune ignoriert, ist allerdings möglich“, weiß WWF-Wolfsexperte Christian Pichler, „vorher müssen aber so genannte gelindere Maßnahmen ergriffen werden und das sind halt einmal Maßnahmen für den Herdenschutz.“ Auch eine Vergrämung käme noch vor der Tötung.

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Hirtenmangel
„Das Wichtigste ist die Nachtkoppel“, zeigt der Wanderhirte auf den 90 cm hohen Elektrozaun, „in diesen geschützten Bereich müssen alle Tiere bei Dunkelheit hinein. Das ist die Verantwortung des Hirten.“ Da haben wir auch schon das nächste Problem: Es gibt kaum Hirten! „In der Schweiz wurden Herden mit bis zu 1000 Schafen zusammengeführt“, erklärt die gebürtige Schweizerin Silvia Nietlispach vom WWF, „große Herden sind nämlich die Voraussetzung, dass das Ganze finanzierbar ist – inklusive Hirten.“ Die Eidgenossen bekommmen dafür Bundesförderungen, ein Hirte kann gut leben. 

Ausbildung von Hirten und Hunden zentral
In Österreich sei der Herdenschutz auch finanzierbar, würde man sich mehr um die relevanten EU-Töpfe kümmern. Aufzucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden kostet nämlich zusätzlich Geld und diese seien im System unverzichtbar. Warum ist uns die Schweiz weit voraus? Weil es auch eine professionelle Ausbildung zum Hirten gibt. Die wird es allerdings ab dem nächsten Jahr auch in Tirol geben – am Herdenschutzkompetenzzentrum von Thomas Schranz. „Auch die Ausbildung der Hunde wird möglich sein“, sagt der Tösner, der das Areal bereits hergerichtet hat. Und auf der „Rieder Pleis“ soll ein fünfjähriges Projekt mit 400 Schafen beweisen, dass das, was im Osttiroler Dorfertal missglückt ist, doch möglich ist!

Hubert Daum
Hubert Daum
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