10.08.2020 12:08 |

Vorbereitungen laufen

Wie sich Tirol für eine zweite Corona-Welle rüstet

Mediziner befürchten im Herbst einen deutlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen. Tirol wappnet sich: Mehr Personal, mehr Schutzausrüstung, mehr Teststationen. Die wichtigsten Vorkehrungen im Überblick.

Kommt sie, oder kommt sie nicht? Und wenn – wie groß wird sie? Diese zentralen Fragen zur möglichen zweiten Corona-Welle treiben Virologen, Gesundheitsbehörden, Politiker und Bevölkerung derzeit um. Genaue Prognosen sind schwierig. Doch die Behörden müssen mit dem Schlimmsten rechnen und jetzt Vorkehrungen treffen. Hier die Antworten zu den zentralen Fragen:

Welches Szenario liegt den Vorbereitungen zugrunde?
Die Planung passiert mit Blick in die Vergangenheit: 3733 Corona-Fälle gab es bisher in Tirol (Stand: Montagvormittag). Am 27. März wurde mit 220 Neuinfektionen der Tages-Höchstwert registriert. Heute weiß man, dass das Gesundheitssystem trotzdem nicht kollabiert ist. Allerdings weiß man auch, dass das Zurückfahren aller anderen Leistungen wesentlicher Grund dafür war. Einen generellen Lockdown schließen Politiker für den Herbst aus. Man setzt auf Frühwarnsysteme wie etwa Abwasseranalysen, um Virenkonzentrationen rechtzeitig aufzuspüren.

Soll trotz steigender Zahlen jeder Fall zurückverfolgt werden (Contact Tracing)?
Ja, sagen Experten. „Die schnelle Zuordnung von Neuinfektionen zu bekannten Fällen und die Identifizierung der Infektionsquelle ist genauso ausschlaggebend wie die Fallzahlen“, betont Elmar Rizzoli vom Corona-Einsatzstab des Landes. Dafür braucht es Personal: 15 neue Planstellen und 30 Verwaltungspraktika hat das Land ausgeschrieben. Ein Großteil ist für die Unterstützung von Gesundheitsbehörden und Bezirkshauptmannschaften fürs Contract Tracing gedacht.

Wie soll der Kontakt zur Gesundheitshotline 1450 verbessert werden?
Mehr als 111.000 Anrufe wurden dort seit 1. März gezählt – Wartezeiten inklusive. Das soll im Herbst nicht passieren. Aktuell wird auch dort Personal aufgestockt. Eine Online-Anwendung zur Selbsteinschätzung wurde zwischengeschaltet, damit nicht jeder verunsicherte Bürger bei der Nummer 1450 anrufen muss. Auch technisch wird aufgerüstet, um die Datenübertragung zwischen Leitstelle und Behörden zu beschleunigen.

Wie und wo wird künftig getestet?
Derzeit werden rund 1600 Tests pro Tag durchgeführt. Zur Hochzeit waren es mehr als 3000. „Im Verhältnis zur Einwohnerzahl testet Tirol am meisten in Österreich“, verweist LH Günther Platter auf die Gesamtzahl von ca. 170.000. Neben den mobilen Testteams haben sich die fixen Screening-Straßen bewährt. Acht statt wie zuletzt drei Standorte sollen es werden. Rizzoli: „Wir sind in der Finalisierungsphase.“

Wie gut ist Tirol mit Schutzausrüstung versorgt?
Die Lager sind voll, heißt es aus dem Landhaus. Millionen Atemschutzmasken aller Klassen, Desinfektionsmittel, Gesichtsschilder, Handschuhe, Schutzoveralls, -schürzen, -mäntel und -hauben warten in zentralen Verteillagern im Raum Innsbruck und in Osttirol auf den Einsatz. Bisher wurden 6,5 Millionen Masken, 460.000 Overalls und Schürzen, 11,5 Millionen Handschuhe, 90.000 OP-Hauben und 52.000 Liter Desinfektionsmittel ausgegeben. Derzeit wird nicht zentral verteilt. Das Land will bei einer zweiten Welle Engpässe wie im Frühling vermeiden.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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