02.07.2020 06:05 |

Krise nicht vorbei

Am steirischen Job-Markt droht stürmischer Herbst

Die Folgen der Corona-Krise sind am steirischen Arbeitsmarkt noch lange spürbar. Fast 50.000 Steirer sind derzeit arbeitslos, zahlreiche Betriebe beenden die Kurzarbeit. Der AMS-Chef rechnet mit steigenden Zahlen im Herbst.

Als sich vor einem Jahr der Wind am steirischen Arbeitsmarkt zu drehen begann, war noch nicht absehbar, was für ein Sturm heuer im März aufziehen würde. Damals, im Sommer 2019, gab es das erste Mal seit Jahren wieder steigende Arbeitslosenzahlen, vor allem die Industrie litt unter Brexit und internationalen Handelskriegen.

„Alles schien aus den Fugen zu geraten“
Dann kam die Corona-Pandemie, und „alles schien aus den Fugen zu geraten“, wie der steirische AMS-Chef Karl-Heinz Snobe im Rückblick sagt. Es gab 14.700 neue Arbeitslose in nur einer Woche! Neue historische Höchststände wurden erreicht. Ende April waren 63.000 Personen beim AMS Steiermark als arbeitslos gemeldet. Seit Wochen sinken die Zahlen wieder. Stand Ende Juni: 46.768 Arbeitslose (dazu 6883 Schulungsteilnehmer). Das ist aber noch immer ein Plus von 63,7 Prozent im Vergleich zum Juni des Vorjahres.

Besonders stark betroffen sind Frauen, die häufig in den arg gebeutelten Branchen Tourismus und Handel tätig sind, aber auch die Unter-25-Jährigen. „Das ist immer ein schlechtes Zeichen, sie sind ein Frühindikator für weitere Entwicklungen“, so Snobe.

„Kein Sprint, sondern ein Marathon“
Die Vermittlungstätigkeit beim AMS wurde zuletzt nach oben geschraubt (4000 offene Stellen wurden im Juni besetzt), auch Sanktionen werden wieder verhängt - ein Stück Normalität nach dem Ausnahmezustand. Am Arbeitsmarkt wartet aber „kein Sprint, sondern ein Marathon“, prognostiziert Snobe. Der Trend nach unten könnte schon bald zu Ende sein: Ab August erwartet er - unabhängig davon, ob eine zweite Corona-Welle kommt - stagnierende, im Herbst steigende Zahlen.

Schon jetzt beendet ein Großteil der Betriebe die Corona-Kurzarbeit, nur etwas mehr als ein Viertel dürfte sie um weitere drei Monate verlängern. Zu erwarten ist, dass zahlreiche Unternehmen nach Ende der Kurzarbeit Personal abbauen, gerade in der für die Steiermark so wichtigen Industrie. Dazu kommt: „Die Aufnahmebereitschaft der Betriebe ist fast am Boden, die zuvor hohe Dynamik am Arbeitsmarkt ist eingeschlafen.“ Umso wichtiger seien daher Qualifizierungsmaßnahmen, so Snobe im „Steirerkrone“-Gespräch.

Neues Modell geplant
Für die AMS-Mitarbeiter ist also auch nach mehreren fordernden Monaten ohne Urlaub kein Durchatmen angesagt. Sozialpartner und Politik verhandeln über ein neues Modell, das die Kurzarbeit ablösen soll. Wohl die nächste Herausforderung für die Jobvermittler

Jakob Traby
Jakob Traby
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