16.06.2020 07:00 |

Hermann Schützenhöfer

„Der Kapitän geht nicht von Bord“

Heute vor fünf Jahren wurde Hermann Schützenhöfer als neuer steirischer Landeshauptmann angelobt. In der „Krone“ zieht er Bilanz über eine herausfordernde Zeit.

Hat sich vor fünf Jahren, als Sie Landeshauptmann der Steiermark geworden sind, für Sie ein Lebenstraum erfüllt?
Diesen Traum hatte ich viel früher - dass ich noch Landeshauptmann werden würde, damit habe ich nicht mehr gerechnet. Ich bin froh und dankbar, für dieses Land arbeiten zu dürfen -allerdings war es auch eine herausfordernde Zeit.

Was waren für Sie denn die größten Herausforderungen?
Ich wurde am 16. Juni 2015 zum Landeshauptmann gewählt und erlebte bereits am 20. Juni eine meiner bittersten Stunden. Damals ereilte mich bei einer Feuerwehrkonferenz in Gamlitz die Nachricht, dass in Graz ein Amokfahrer Menschen getötet und verletzt habe. Meine erste Amtshandlung, als ich nach Graz zurückkehrte, war die Einrichtung eines Krisenstabs.
Noch im selben Jahr waren wir dann als Landesregierung mit der Flüchtlingskrise konfrontiert, die eine nie dagewesene Herausforderung für unser Land darstellte. Täglich kamen 8000 Flüchtlinge in Spielfeld an, auch in Radkersburg wurde die Grenze gestürmt, ohne dass die Menschen gefragt wurden, wo sie herkämen oder wo sie hinwollten. Damals hatte der Staat seine Souveränität verloren. Ich stand in den darauffolgenden Tagen an der Grenze, musste Haltung zeigen, auch wenn die Verantwortlichen im Bund dem Geschehen zunächst tatenlos zusahen und heillos zerstritten waren.

Wie ordnen Sie da die aktuelle Corona-Krise ein?
Wir haben diese Krise bis dato gut bewältigt, das Virus eingedämmt und sind froh, die Masken teilweise wieder abnehmen zu können. Ja, diese Situation war und ist eine Krise - allerdings keine Not, wie sie unsere Eltern und Großeltern in den Weltkriegen erleben mussten.

Wie lange wird uns Covid-19 noch beschäftigen?
Ich blicke mit Vorsicht und Zuversicht in die kommenden Monate. Vorsicht heißt, dass wir die erreichten Erfolge nicht gefährden dürfen; zuversichtlich bin ich, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommen wird. Wir müssen und werden alles dafür tun, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen und auch die steirischen Unternehmen zu unterstützen.

Vergangenes Jahr wurden Sie mit großen Gewinnen in Ihrem Amt bestätigt. Wie groß war die Genugtuung, nachträglich eine Legitimation vom Wähler zu erhalten? Ihre Kritiker meinen ja noch immer, der Landeshauptmann-Sessel sei nur ein Geschenk Ihres Vorgängers Franz Voves.
Diese ständigen Vorhaltungen haben mich schon geschmerzt. Mittlerweile beträgt der Abstand der ÖVP zur SPÖ 13 Prozent, 2010 war die SPÖ noch knapp vor uns. Das hat einigen Unkenrufern den Wind aus den Segeln genommen. Häme und Schadenfreude sind mir allerdings fremd: Zu oft war ich in meinem Leben schon unten und dann wieder oben.

Das heißt, es gab auch in den vergangenen Jahren viele Enttäuschungen?
Die gab es, Dankbarkeit ist keine politische Kategorie. Die größte Niederlage war für mich, als wir 2005 den Landeshauptmann-Sessel verloren haben. Ich erinnere mich noch gut daran, als wir am Karmeliterplatz Spott und Hohn ertragen mussten. Das war bitter. Der deutsche Einheitskanzler Helmut Kohl hat einmal gesagt: „Die Niederlage hat nichts Gutes, nur eines: Man lernt seine Freunde kennen.“

Wer sind denn Ihre engsten Freunde und Vertrauten?
Ich habe wenige Freunde, dafür sehr gute. Das Wichtigste aber ist die Unterstützung meiner Frau. Sie ist jemand, der mich auffängt und mir Halt gibt. Generell bin ich dankbar, eine gesunde, intakte Familie zu haben.

Was war Ihr schönster Moment in den letzten Jahren?
Das war kein politisches Ereignis, sondern vor zwei Jahren die Geburt meiner Enkelin. Im Sommer bekommen wir noch ein Enkelkind, und für mich zeigt das, was wirklich wichtig ist im Leben: Leben und Leben zu schenken steht über allem. Egal, ob es politische Erfolge oder Misserfolge gibt.

Sie wirken als in der Rolle des Landesvaters angekommen. Reizt es Sie, noch eine Amtszeit anzuhängen?
Es stimmt, meine Freude und Motivation sind groß. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Auch in Bezug auf die Corona-Krise kann ich nur sagen, dass ein Kapitän niemals sein Schiff verlässt. Auch wenn schwere Stürme aufkommen und die See rau ist. Aber ich bin jetzt 68 Jahre alt, das muss man schon bedenken.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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