02.06.2020 09:15 |

Experten warnen

Mopedfahren als große Gefahr für junge Steirer

Ab Mai/Juni häufen sich die Unfälle bei 15- und 16-jährigen Mopedlenkern. 90 % sind Einzelstürze, gut ein Drittel der jungen Mopedfahrer verletzt sich schwer. Alarmierend: Jeder zweite Sturz ereignet sich innerhalb der ersten beiden Monate nach der Führerschein-Prüfung. Daher lässt gerade der coronabedingte Nachholbedarf in den Fahrschulen in den nächsten Monaten einen Anstieg der Mopedunfälle erwarten. Der Verein „Große schützen Kleine“ setzt sich für eine Ausweitung der Fahrpraxis in der Moped-Ausbildung ein. Auch Radfahrtraining und Simulationen, bei denen Jugendliche brenzlige Situationen real erleben könnten, hätten einen guten Effekt.

Im Fokusreport „Mopedfahren - Was tun mit der Moped-Mobilität?“ hat sich das Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins „Große schützen Kleine“ zusammen mit der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz mit Mopedunfällen Jugendlicher und Präventionsmaßnahmen beschäftigt. „Im langjährigen Schnitt verunfallen in Österreich 2610 Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren mit ihrem Moped im Straßenverkehr - acht davon tödlich. 71 % aller tödlich verunglückten 15- bis 16-Jährigen kommen mit dem Moped ums Leben. Viele der Einzelstürze werden gar nicht von der Polizei aufgenommen und fließen somit nicht in die offizielle Statistik ein“, so Studienautor Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrumfür Kinderunfälle. Jeder zweite Unfall geschieht bereits innerhalb der ersten zwei Monate nach Erwerb des Führerscheins - bis sechs Monate danach passieren 80 % der Erststürze.

„Von 450 Jugendlichen, die bei der Onlinebefragung im Zuge der Studie im Besitz des Mopedführerscheins waren, hatte bereits die Hälfte mindestens einen Unfall erlitten. 23 % der verunfallten Jugendlichen waren sogar schon mehrmals gestürzt. Interessant war, dass die “Crashpiloten“, also die Mehrfachverunfaller, deutlich häufiger angaben, dass das Ausmaß der praktischen Übungen im Zuge der Führerscheinausbildung zu viel gewesen sei und dass die Mopedausbildung generell unnötig sei“, betont Spitzer.

Am Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendchirurgie Graz werden pro Jahr rund 240 Moped-Unfallopfer zwischen 15 und 16 Jahren behandelt. 76 % werden ambulant, 21 % stationär und 3 % auf der Intensivstation versorgt. Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Klinikvorstand und Präsident von „Große schützen Kleine“: „Mit 34,5 % ist mehr als jede dritte Verletzung medizinisch als schwer zu beurteilen. Zumeist handelte es sich um Verletzungen der Beine und Füße (56 %), gefolgt von Armen und Händen (20 %). Kopf und Halswirbelsäule sind nur zu rund 14 % von einer Verletzung betroffen - hier zeigt sich also doch sehr gut die Schutzwirkung des Helmes“. Die Verletzungsanteile bei beiden Geschlechtern sind zwar fast gleich hoch, Buben verletzten sich allerdings häufiger schwer.

Verglichen mit Autofahrern haben Mopedfahrer ein zwanzigfach höheres Risiko auf ihrer Fahrt verletzt zu werden und verunfallen sogar bis zu viermal häufiger als Motorradfahrer. Alters- und erfahrungsbedingt reduziert sich das Risiko für schwere und tödliche Verkehrsunfälle bei motorisierten Zweiradfahrern - so hat ein 16-Jähriger nur mehr ein halb so hohes Risiko einen Mopedunfallzu erleiden wie ein 15-Jähriger.

42 % der befragten verunfallten Jugendlichen führten die Unfallursache auf eine nicht angepasste Geschwindigkeit zurück. Vor allem Maßnahmen gegen diese Unfallursache ließen sich im praktischen Ausbildungsteil mit speziellen Geschicklichkeitsübungen (Bremsübung, Fahrverhalten des Mopeds - auch mit Mitfahrer) intensiv und effektiv üben. Spitzer gibt zu bedenken: „Mehr als 90 % der Mädchen und Burschen gaben in der Befragung an, sich als sehr gute bzw. gute Mopedfahrer zu sehen, die Verkehrsregeln ausreichend zu kennen und im Straßenverkehr ein gutes Gefühl zu haben. Der blöde Zufall wurde dementsprechend von 43 % der Befragten für den Unfall verantwortlich gemacht. Da jedoch jeder zweite Jugendliche bereits einen Unfall hatte, dürfte die Selbsteinschätzung doch eine eindeutige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und somit eine gewisse Realitätsferne darstellen“.

Was von den Experten gefordert wird: Ein aktives Radfahrtraining als Einstieg in die Mopedprüfung (wer überhaupt nicht Radfahren kann, wird auch das Moped fahrtechnisch nicht beherrschen), praktische Übungen im Schonraum und im Straßenverkehr, ein aufbauendes Konzept der Verkehrs-, Sicherheits- und Risikoerziehung von der Volksschule bis hin zum Führerschein B und simulatorische Konzepte (beispielsweise ein Moped mit Stützen, um die Seitenlage, das Kurvenfahren auf verschiedenen Untergründen, das Schleudern etc. besser tatsächlich erleben zu können).

Michael Jakl
Michael Jakl
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