27.05.2020 12:30 |

Schutzengel für Senner

200 Jahre alte Alm bei Feuersbrunst zerstört

Vollständig ein Raub der Flammen wurde in der Nacht auf Dienstag die rund 200 Jahre alte Häuslalm in den nördlichen Ausläufern der Brandenberger Alpen in Tirol. Der Senner rettete sich im letzten Moment unverletzt aus dem brennenden Gebäude. Weil es in dem abgelegenen Gebiet keinen Handyempfang gibt, konnte er erst rund eineinhalb Stunden später im Tal Alarm schlagen.

Die private Häuslalm der Familie Gertrude und Walter Messner aus Brandenberg befindet sich in rund 1000 Metern Höhe westlich oberhalb der Erzherzog-Johann-Klause nahe der deutschen Grenze. Der 66-jährige Senner aus Salzburg, der sich allein in dem Gebäude befand, vernahm gegen 2.30 Uhr ein Knistern und bemerkte, dass der Dachstuhl der Alm in Flammen stand. Ihm blieb fast keine Zeit mehr, um das brennende Gebäude zu verlassen. Die sechs Tiere befanden sich zum Glück auf der Weide nebenan und waren nicht von den Flammen bedroht.

Der 66-Jährige rettete sich zur Nachbaralm, von wo aus Telefonieren jedoch auch nicht möglich war. Die dortige Sennerin und der Salzburger fuhren deshalb mit dem Auto ins Tal, um Hilfe zu verständigen. „Gegen vier Uhr ist der Senn bei mir in Brandenberg aufgetaucht“, erzählt Gertrude Messner. „Er war unverletzt, hatte aber einen Schock. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, und ihm zum Aufwärmen einen Tee gemacht.“ Erst jetzt konnte Alarm geschlagen werden.

Halbstündige Anfahrt
Insgesamt rund 70 Einsatzkräfte der Feuerwehren Aschau, Brandenberg und Kramsach machten sich in den Morgenstunden auf den knapp halbstündigen Weg zum Brandobjekt.

„Als wir ankamen, war die Almhütte bereits zusammengefallen“, erzählt Einsatzleiter Werner Thumer von der Feuerwehr Aschau. Bei den Löscharbeiten hatten die Helfer vor allem mit dem Wassermangel vor Ort zu kämpfen. Doch sie wussten sich zu helfen. „Ein Traktor mit einem 4000 Liter fassenden Gülleanhänger hat quasi im Pendeldienst Wasser von der Brandenberger Ache zur Brandstelle transportiert“, informiert Thumer. Die Lösch- und Aufräumarbeiten, die erst gut zwei Stunden nach Brandausbruch beginnen konnten, dauerten bis in den späten Vormittag hinein. „Wir sind schließlich kurz vor elf Uhr wieder im Tal gewesen“, erzählt Werner Thumer weiter.

Über Brandursache und Schadenshöhe gibt es bisher keine Aufschlüsse. „Ich bin jedenfalls heilfroh, dass weder Mensch noch Tier etwas passiert ist“, betont Gertrude Messner. Der geschockte Salzburger Senner, der nur noch sein Leben retten konnte, wurde noch in der Früh von seinem Sohn in Brandenberg abgeholt und nach Hause gebracht.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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