09.05.2020 07:00 |

Trotz Corona-Pandemie

Dicht an dicht, wie die Sardinen in der Dose

Bei der Innpromenade in Innsbruck auf Höhe des Geiwi-Turms herrscht derzeit reges Treiben. Trotz eines öffentlichen Platzes wird kaum der verordnete 1-Meter-Abstand eingehalten.

Es ist ein angenehm warmer Donnerstagnachmittag. Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne brennt auf der Haut. Beim gemütlichen Schlendern entlang der Innpromenade in Innsbruck riecht es nach Sommer.

Zahlreiche Spaziergänger sind unterwegs, zwischen den meisten von ihnen hätte ein kleiner Babyelefant – bekanntlich die offizielle Corona-Maßeinheit – Platz. Auch das neue „Must-have“, ein Mund-Nasen-Schutz, ziert so manch ein Gesicht. „Das ist beruhigend“, dachte ich mir. Immerhin stehen diese Maßnahmen in der Covid-19-Lockerungsverordnung des Gesundheitsministeriums, die seit 1. Mai gültig und einzuhalten ist. Und immerhin gibt es derzeit noch weit mehr als 100 Infizierte in ganz Tirol.

Doch plötzlich gerät alles ins Wanken – und zwar bei einem der bekanntesten Lieblingsplätze in der Tiroler Landeshauptstadt: jenem Abschnitt der Innpromenade, der sich vor dem Geiwi-Turm (Universität) befindet.

Bei Platzmangel auf der Mauer wird Wiese benutzt
Dutzende junge Menschen – überwiegend Studenten – sitzen dicht nebeneinander, aufgereiht wie Ölsardinen in der Dose. All jene, die keinen Platz auf der begehrten Mauer gefunden haben, sitzen beziehungsweise liegen gemütlich in der Wiese – Picknickdecke an Picknickdecke versteht sich. Den kleinen Babyelefanten scheint hier niemand zu kennen. Zumindest hält so gut wie keiner diese 1-Meter-Abstandsregel ein, die ja für öffentliche Orte gilt.

Und es fällt sehr schwer zu glauben, dass alle Personen aus dem selben Haushalt stammen. Dafür setzen sich die Gruppen aus zu vielen Mitgliedern zusammen. Teilweise bestehen sie aus 15 jungen Menschen, die sich in den Armen liegen und unbekümmert ihren Spaß haben.

„Wie kann man nur so verantwortungslos sein?
„Wie kann man nur so verantwortungslos sein?“, murmelt eine Pensionistin vor sich hin, die vorbildlich einen Mundschutz trägt und die die jungen Menschen von der Brücke aus beobachtet. Obwohl oder gerade weil mir bewusst ist, dass dieses Verhalten nicht den Vorgaben des Gesundheitsministeriums entspricht, schlendere auch ich durch die Massen. Das Verbotene lockt bekanntlich an. Mein schlechtes Gewissen stille ich damit, dass ich meinen Mundschutz aufsetze. Doch damit mutiere ich sogleich zum Außenseiter.

Bier, Wein, Zigaretten statt Abstand und Maske
„Was machst du mit deiner Maske? Corona ist längst vorbei“, schreit mir ein junger Mann zu. „Ist es das?“, entgegne ich ihm. „Ja klar, das weiß doch bereits jeder“, kommt daraufhin zurück.

Eine zweite Schutzmaske außer meiner ist hier weit und breit nicht zu sehen – nicht einmal in einem Müllkübel liegend, was die Vermutung zulässt, dass keiner der Anwesenden je eine Maske dabei hatte. Doch stattdessen gibt es reichlich Bierdosen und Weinflaschen sowie auch Zigarettenpackungen.

Die Meute feiert das Leben – und zwar nicht einmal zwei Monate nach dem „Lockdown“ in Tirol sowie zu einer Zeit, in der es noch immer Infizierte gibt, in der seitens der Bundesregierung noch immer keine Corona-Entwarnung verkündet wurde und in der (inter-)nationale Experten noch immer mit mindestens einer zweiten Corona-Welle rechnen. Die Gefahr ist somit derzeit nicht gebannt, das sollte sich jeder vor Augen führen ...

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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