21.04.2020 07:00 |

Familien verzweifelt

24-Stunden-Betreuung: „Uns läuft die Zeit davon“

In der 24-Stunden-Betreuung ist auch Tirol auf Mitarbeiterinnen aus osteuropäischen Ländern angewiesen. Rund 1300 Familien warten bald vergeblich auf diese Hilfe, weil die Grenzen wegen Corona dicht sind. Eine Lösung muss rasch her. Eine Tirolerin erzählt, wie schwer der Kampf um eine Betreuerin für ihre beiden Eltern ist.

Ingrid Lang aus Oberperfuss weiß, wie man sich in einem Labyrinth ohne Ausgang fühlt. Das Gefühl hat sich in den vergangenen Wochen aufgebaut. Langs Geschichte zeigt, mit welchen Hürden Familien jetzt kämpfen, die auf 24-Stunden-Betreuerinnen angewiesen sind:

„Krone“:Frau Lang, Ihre Eltern leiden an Demenz, können aber mithilfe von Betreuerinnen aus Bulgarien und Rumänien daheim leben. Die Corona-Krise hat das System gekippt, weil die Betreuerinnen nicht mehr nach Tirol kommen. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
Ingrid Lang: Seit Wochen hänge ich am Telefon und versuche, Hilfe zu bekommen. Bisher ohne Erfolg. Ich selbst kann nicht daheim bleiben, weil ich in meinem Beruf als Polizistin derzeit auch gebraucht werde. Zum Glück war unsere Betreuerin aus Bulgarien bereit, statt einen zwei Monate zu bleiben, weil die Kollegin nicht mehr einreisen durfte. Doch jetzt sind die zwei Monate um, die Frau will verständlicherweise nach Hause. Ich habe versucht, einen Ersatz zu organisieren. Eine Agentur hat mir das für diese Woche versprochen. Aber plötzlich ist niemand mehr erreichbar. Die sind vermutlich auch alle überfordert.

Die Betreuerin Ihrer Eltern könnte also in den nächsten Tagen abreisen. Dann stehen Sie ohne Hilfe da.
So ist es. Ich komme mir vor wie in einem absurden Film. Natürlich habe ich beim Sozialsprengel und beim nächsten Pflegeheim angefragt. Aber dort wissen sie gerade auch nicht, wo sie zuerst anpacken sollen. Alle wollen helfen, alle tun ihr Bestes - doch eine 24-Stunden-Betreuerin lässt sich nicht einfach so ersetzen. Und Plätze in Pflegeheimen sind sowieso rar. Meine einzige Möglichkeit derzeit: die Eltern in eine Kurzzeitpflege geben. Doch das geht nur für maximal 28 Tage und ist für meine Eltern nicht einfach. Danach stehen wir wieder vor dem gleichen Dilemma.

Was würde Ihnen in der akuten Notsituation helfen?
Was für Erntehelfer möglich war, muss doch auch für 24-Stunden-Betreuerinnen möglich sein. Dort werden ja auch Arbeitskräfte eingeflogen. Niederösterreich hat ja schon Pflegekräfte einfliegen lassen. Aber bei meinen unzähligen Telefonaten konnte mir dazu niemand Auskunft geben. Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema verdrängt wird. Doch uns Familien läuft die Zeit davon, wir stehen im Regen. Wie leider sehr oft beim Thema Pflege. Diese Krise macht so richtig deutlich, auf welch wackeligen Beinen unser Pflegesystem steht.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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