Die „Krone“ war dabei:

Corona-Ärzte im „Schwitzkasten“

Steiermark
19.04.2020 08:00

Corona-Visiten sind um einiges aufwändiger als herkömmliche Patienten-Besuche. Dass allein das Tragen des Schutzanzuges für die steirischen Ärzte anstrengend ist, durften wir am Samstag am eigenen Leib erfahren.

Der Kleidungs-Knigge für den Opernball ist dagegen ein Spaziergang: Bereits das korrekte Anlegen des Schutzanzuges samt Füßlingen und Kapuze ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Alles muss gut sitzen, sprich abdichten. Blau oder weiß? Eh schon egal. „Moment! Brille und Maske sind davor anzuziehen“, dringt ein höflicher, aber bestimmter Ordnungsruf dumpf ins bereits verhüllte Ohr. Also wieder runter mit der Wäsche.

Vergnügen sieht anders aus: Das Tragen des Schutzanzugs verlangte auch Redakteurin Barbara Winkler einiges ab. (Bild: Pail Sepp)
Vergnügen sieht anders aus: Das Tragen des Schutzanzugs verlangte auch Redakteurin Barbara Winkler einiges ab.

Die Brillen beschlagen schon in den ersten Sekunden
Trotz Unterstützung, die mit dem Hineinschälen in die Handschuhe beendet ist, ist der innere Thermostat bereits nach wenigen Minuten angestiegen. Dabei hat es bei unserem Besuch beim Ärztenotdienst Samstagfrüh am Grazer Marburgerkai nur 14 Grad. Und man weiß vor allem: Die Erfahrungen werden lediglich in der Theorie gesammelt.

Respekt schützt vor Unvorsichtigkeit
Anders bei den hier beschäftigten Medizinern, die im Rahmen ihrer Visitentätigkeit seit geraumer Zeit auch Patienten versorgen, die als Corona-Verdachtsfälle gelten, nachgewiesen erkrankt und in Heimisolation sind. „Angst habe ich keine“, sagt Katharina Fuiss-Sölkner, die um 7 Uhr den Dienst übernommen hat, „aber schon Respekt, denn der schützt mich vor Unvorsichtigkeit“.

Not-Einsatz in Corona-Zeiten. Das medizinische Personal muss einiges leisten. (Bild: Pail Sepp)
Not-Einsatz in Corona-Zeiten. Das medizinische Personal muss einiges leisten.

Beruhigende Gespräche als beste Medikation
Gesehen hat die Notärztin schon vieles: „Junge Patienten, ältere, leicht erkrankte, schwere Verläufe - es war schon alles dabei“, erzählt die 57-Jährige.

Der größte gemeinsame Nenner der Corona-Erkrankten: die Angst. Angst vor dem Unbekannten. „Oft hilft ein aufklärendes, beruhigendes Gespräch schon sehr viel, damit sich der Patient besser fühlt“, spricht Fuiss-Sölkner aus Erfahrung. Panik sei in den allermeisten Fällen ohnehin nicht angebracht: „Mehr als 85 Prozent der Fälle verlaufen äußerst mild, ähnlich einem leichten grippalen Infekt“, weiß die Fachfrau.

Stets alles dabei, um Verdachtsfälle zumindest fürs erste abzuklären. (Bild: Pail Sepp)
Stets alles dabei, um Verdachtsfälle zumindest fürs erste abzuklären.

Erst vor der Haustüre wird Schutzanzug angelegt
Während wir der mittlerweile dampfenden Kluft nun endlich entsteigen können, kündigt das Piepsen auf Fuiss-Sölkners Handy den nächsten Einsatz an. In ihre neue „Uniform“ schlüpft sie jedoch später: „Wir ziehen uns bewusst erst vor der Wohnungstür um, damit die Anonymität der Patienten, so gut es geht, gewahrt bleibt.“

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