19.04.2020 08:00 |

Die „Krone“ war dabei:

Corona-Ärzte im „Schwitzkasten“

Corona-Visiten sind um einiges aufwändiger als herkömmliche Patienten-Besuche. Dass allein das Tragen des Schutzanzuges für die steirischen Ärzte anstrengend ist, durften wir am Samstag am eigenen Leib erfahren.

Der Kleidungs-Knigge für den Opernball ist dagegen ein Spaziergang: Bereits das korrekte Anlegen des Schutzanzuges samt Füßlingen und Kapuze ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Alles muss gut sitzen, sprich abdichten. Blau oder weiß? Eh schon egal. „Moment! Brille und Maske sind davor anzuziehen“, dringt ein höflicher, aber bestimmter Ordnungsruf dumpf ins bereits verhüllte Ohr. Also wieder runter mit der Wäsche.

Die Brillen beschlagen schon in den ersten Sekunden
Trotz Unterstützung, die mit dem Hineinschälen in die Handschuhe beendet ist, ist der innere Thermostat bereits nach wenigen Minuten angestiegen. Dabei hat es bei unserem Besuch beim Ärztenotdienst Samstagfrüh am Grazer Marburgerkai nur 14 Grad. Und man weiß vor allem: Die Erfahrungen werden lediglich in der Theorie gesammelt.

Respekt schützt vor Unvorsichtigkeit
Anders bei den hier beschäftigten Medizinern, die im Rahmen ihrer Visitentätigkeit seit geraumer Zeit auch Patienten versorgen, die als Corona-Verdachtsfälle gelten, nachgewiesen erkrankt und in Heimisolation sind. „Angst habe ich keine“, sagt Katharina Fuiss-Sölkner, die um 7 Uhr den Dienst übernommen hat, „aber schon Respekt, denn der schützt mich vor Unvorsichtigkeit“.

Beruhigende Gespräche als beste Medikation
Gesehen hat die Notärztin schon vieles: „Junge Patienten, ältere, leicht erkrankte, schwere Verläufe - es war schon alles dabei“, erzählt die 57-Jährige.

Der größte gemeinsame Nenner der Corona-Erkrankten: die Angst. Angst vor dem Unbekannten. „Oft hilft ein aufklärendes, beruhigendes Gespräch schon sehr viel, damit sich der Patient besser fühlt“, spricht Fuiss-Sölkner aus Erfahrung. Panik sei in den allermeisten Fällen ohnehin nicht angebracht: „Mehr als 85 Prozent der Fälle verlaufen äußerst mild, ähnlich einem leichten grippalen Infekt“, weiß die Fachfrau.

Erst vor der Haustüre wird Schutzanzug angelegt
Während wir der mittlerweile dampfenden Kluft nun endlich entsteigen können, kündigt das Piepsen auf Fuiss-Sölkners Handy den nächsten Einsatz an. In ihre neue „Uniform“ schlüpft sie jedoch später: „Wir ziehen uns bewusst erst vor der Wohnungstür um, damit die Anonymität der Patienten, so gut es geht, gewahrt bleibt.“

Barbara Winkler
Barbara Winkler
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 26. Mai 2020
Wetter Symbol
Steiermark Wetter
9° / 18°
stark bewölkt
8° / 16°
leichter Regen
9° / 18°
leichter Regen
11° / 16°
starke Regenschauer
8° / 11°
leichter Regen

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.