22.03.2020 15:20 |

Wegen Lärm aufgeflogen

Polizei stoppt „Corona-Party“: FPÖ-Mandatar dabei

Die Polizei hat am Samstagabend eine „Corona-Party“ in Heiligenkreuz am Waasen (Steiermark) beendet. Nach einer anonymen Anzeige ertappten die Beamten vier Männer im Alter von 26 bis 37 Jahren in einem Vereinslokal. Wie die „Krone“ in Erfahrung bringen konnte, war einer davon FPÖ-Landtagsabgeordneter Gerhard Hirschmann.

Die Anzeige wegen Lärmerregung war am Samstag um 17.30 Uhr bei der Polizei eingegangen. Als die Polizisten bei dem Lokal ankamen, wollte ein Mann genau in diesem Moment das Gebäude verlassen, um bestellte Pizzen abzuholen. Als der 26-Jährige die Polizisten sah, drehte er jedoch sofort um, versperrte die Tür von innen und drehte das Licht sowie die Musik ab.

Wie die „Krone“ am Sonntag in Erfahrungen bringen konnte, war einer der Beteiligten der junge FPÖ-Landtagsabgeordnete Gerhard Hirschmann. Das wurde am frühen Nachmittag von der Landespartei bestätigt. 

Vier Anzeigen
Erst nach einiger Zeit stellten sich die Partygäste der Polizeikontrolle. Die Steirer gaben an, sich nur getroffen zu haben, um das Instandsetzen von Tennisplätzen zu besprechen. Alle vier werden angezeigt. Bisher wurden in der Steiermark laut Polizei wegen Verletzungen der Ausgangsbeschränkungen 378 Anzeigen erstattet. In ganz Österreich setzte es bis Samstagvormittag 842 Anzeigen.

Noch am 12. März hatte der FPÖ-Politiker an die Ortsbewohner geschrieben: „Wir werden alle notwendigen Beschlüsse, die im Sinne des Schutzes der heimischen Bevölkerung erforderlich sind, mittragen. Das Wichtigste ist nun, dass die Verbreitung des Virus möglichst schnell eingedämmt wird. Wir nehmen die Lage ernst und verzichten auf Veranstaltungen in der Gemeinde, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und unsere Mitbürger und vor allem ältere Mitmenschen zu schützen. Euer Spitzenkandidat.“

„Zusammenkunft war ein Fehler“
Hirschmanns reuige Erklärung am Sonntag: „Wir wollten die Platzsanierung besprechen. Diese Zusammenkunft war ein Fehler und tut mir sehr leid. Mir ist bewusst, dass ich meiner Vorbildwirkung als Abgeordneter in diesem Fall nicht gerecht geworden bin.“ Er möchte sich in den nächsten Tagen verstärkt sozial engagieren.

Verein distanziert sich
Der Vorstand des Tennisvereines, in dessen Vereinslokal die Corona-Party stattgefunden hatte, distanzierte sich am Sonntagnachmittag „ausdrücklich von den Vorkommnissen“. Jedes Vereinsmitglied besitze einen Schlüssel zu den Klubräumlichkeiten, in denen im Winter aber sowieso der Betrieb eingestellt sei - man will nun als Reaktion auf den Vorfall „Maßnahmen treffen“. „Wir hoffen, dass durch die Dummheit Einzelner nicht eine ganze, unbeteiligte Vereinsgemeinschaft zerstört wird, und dürfen wiederholt unser Bedauern ausdrücken“, hieß es.

Von der FPÖ-Landespartei abgemahnt
Am Nachmittag meldete sich dann auch die steirische FPÖ-Landespartei zur Wort: „Landesparteiobmann Mario Kunasek hat aufgrund des gestrigen Fehlverhaltens von Landtagsabgeordneten Gerhard Hirschmann heute ein klärendes Telefongespräch mit ihm geführt. Der Parteichef hat im Rahmen dieser Unterredung das Verhalten des Mandatars als inakzeptabel verurteilt und ihn abgemahnt.“ 

Andere Parteien forderten Rücktritt
Rücktrittsaufforderungen an Hirschmann kamen von anderen steirischen Parteien. Die grüne Klubobfrau Sandra Krautwaschl meinte, Hirschmann habe „den Ernst der Lage nicht erkannt“. Von einem „Schlag ins Gesicht all jener Steirerinnen und Steirer, die tagtäglich ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, um ihren Mitmenschen zu helfen und das System aufrecht zu erhalten“, spricht SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz: „Ein verantwortungsvoller Mandatar wüsste, was zu tun ist." Und auch ÖVP-Klubobfrau Barbara Riener „geht davon aus, dass entsprechende Konsequenzen gezogen werden".

Michael Jakl
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