18.03.2020 16:58 |

„Absolut inakzeptabel“

Kritik an deutscher Grenz-Politik wird lauter

Zusammenhalt ist das Wichtigste in Krisenzeiten. Doch darauf pfeifen unsere deutschen Nachbarn offensichtlich: Alle kleineren Grenzübergänge wurden nun geschlossen, sogar für Fußgänger wie in Großgmain und Oberndorf. Menschen kommen teilweise nicht mehr nach Hause oder zur Arbeit. Durchfahren verboten heißt es am kleinen Deutschen Eck - einer wichtigen Versorgungsroute für Pinzgauer. Die Kritik wird immer lauter.

Was denken sich die Bayern eigentlich? Diese Frage stellen sich zurzeit viele betroffene Salzburger in den Grenzgemeinden wie Unken, Oberndorf oder Großgmain. Die Deutschen haben ihre Grenzen dicht gemacht: Die kleineren wie in Großgmain sind überhaupt nicht passierbar, bei größeren wie am Walserberg oder bei der Saalachbrücke in Salzburg wird streng kontrolliert. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP), der bereits Kritik an der Art und Weise der Grenzschließungen äußerte, suchte das Gespräch mit dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU). Ergebnislos. Die Deutschen bleiben stur. Wer pendelt, muss eine Arbeitsbestätigung mitführen.

Viele Klinik-Mitarbeiter betroffen

Dabei wären Ausnahmen und eine gute Kooperation immens wichtig: Allein in den Salzburger Landeskliniken (SALK) haben 306 Mitarbeiter ihren Wohnort im benachbarten Bayern. 21 Mitarbeiter müssen sogar aus Tirol nach Salzburg fahren. Dazu gibt es noch Dutzende, die im Mitterpinzgau leben. Sie alle sollen jetzt, aufgrund der Sperre des kleinen Deutschen Ecks, stundenlang über den Pongau und die A10 ausfahren. Von einer „untragbaren“ Situation sprach bereits der Unkener Bürgermeister.

Große Auswirkungen in Grenzgemeinden

Ähnlich drastisch ist es auch in Großgmain, wie die dort lebende FPÖ-Chefin Marlene Svazek kritisiert: „Die Grenzschließung ist katastrophal, weil viele aus dem benachbarten Bayern kommen und beispielsweise hier beim ADEG arbeiten. Kontrolle ist ok, aber komplett dicht machen ist ein Wahnsinn.“ Von einer „absolut inakzeptablen“ Situation sprechen Neos-Abgeordneter Sebastian Huber, im Brotberuf selbst Arzt, und Klubchef Sepp Egger. Sie appellieren an die Deutschen: „Lassen sie die Mitarbeiter aus dem Pinzgau durch.“

Oberndorf stark betroffen

In Oberndorf ändert sich die Situation beinahe schon stündlich: Seit Mittwochnachmittag ist die Salzachbrücke wieder komplett geschlossen, auch für Fußgänger. Über den Europasteg dürfen nur Pendler zu Fuß auf die andere Seite: Die deutschen Behörden fordern einen Nachweis der Arbeitsbestätigung bzw. des Wohnortes in Form einer Meldebestätigung.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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