08.03.2020 07:00 |

Weltfrauentag

Weibliche Intendanz: Graz ist eine Ausnahme

Auch im Kulturbereich ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass Frauen die Spitzenpositionen bekommen. Graz ist da ein Ausnahmefall, sowohl Oper als auch Schauspielhaus werden von einer Frau geleitet. Ein Gespräch mit den beiden Intendantinnen Iris Laufenberg und Nora Schmid anlässlich des Weltfrauentags.

Graz ist in einer privilegierten Situation. Seit Jahren sind hier schon Frauen in führenden Kulturpositionen tätig. Ein Beispiel, das international erst Schule machen muss. Wie selten diese Konstellation ist, beweist eine Grafik, die in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen ist und die Iris Laufenberg in ihrem Büro hängen hat. Nur drei Frauen stehen den großen deutschen Theatern vor. In den Opernhäusern sieht es nicht viel besser aus. Auch hier nimmt Graz eine weltweite Sonderstellung ein, sind doch aktuell alle drei führenden Positionen - Intendantin, Chefdirigentin und Ballettdirektorin - fest in Frauenhand.

Vorgängerinnen haben Boden bereitet
Bereits vor Nora Schmid und Iris Laufenberg hatten Frauen an beiden Grazer Häusern das Sagen. Was zur Frage führt, ob sie es als Frau in einer Führungsposition in dieser Stadt leichter haben, als anderswo. Für Nora Schmid war ihr Frausein bei ihrer Bestellung kein Thema. „Bei mir wurde eher thematisiert, dass ich eine junge Frau bin.“ Auch Iris Laufenberg sieht sich in Graz nicht irgendwie anders wahrgenommen, in anderen Kreisen aber durchaus. „In Intendantenrunden fühlt man sich schon oft allein“.

Beide sind sich einig, dass ihr Frausein hausintern keine Rolle spielt. „Da wurde unter den Vorgängerinnen schon viel gelernt“, ist Laufenberg überzeugt. Nach Äußerlichkeiten wird man als Frau aber dennoch eher beurteilt. „Den Begriff zierliche Frau lese ich öfter“, sagt die Schauspielhaus-Chefin und merkt an, dass über die Statur männlicher Kollegen selten ein Wort verloren wird. Das nicht einfach zu ignorieren und wegzulächeln, sei ihr wichtig.

Manche Fragen werden nur Frauen gestellt
Nora Schmid irritieren eher bestimmte Fragen, wie sie den Job mit einem noch kleinen Kind vereinbaren kann. „Das fragt einen Vater nie jemand.“ Dass der Job aufgrund unregelmäßiger Arbeitszeiten und durchgearbeiteter Wochenenden nicht sehr familienfreundlich ist, liegt auf der Hand. Und trifft Frauen aus vielen Bereichen immer noch härter. „Da braucht es schon ein Umfeld mit viel Liebe zum Metier“, bestätigen beide. „Als Frau wird man gerade in Führungspositionen immer wieder unterschätzt und muss sich ständig beweisen“, konstatiert Laufenberg und stellt da einen eklatanten Unterschied zu den männlichen Kollegen fest, die weit eher mit Vorschusslorbeeren bedacht werden.

Viele Frauen wagen die letzten Schritte nicht
Warum es so wenig Frauen in künstlerischen Chefetagen gibt, verwundert die beiden selber. Nora Schmid ist allerdings zuversichtlich, dass eine talentierte junge Generation das ändern wird. „Auch wenn viele die letzten Schritte immer noch scheuen“, stellt sie fest. „Auf jeden Fall braucht es ,Role-Models’, die den jungen Frauen den Rücken stärken“, betonen die beiden.

Ob sie bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter und Regie-Teams auf den Frauenanteil achten, beantworten die beiden Intendantinnen unterschiedlich. „Für mich entscheidet allein die Qualität“, sagt Nora Schmid, wobei sie dann im Nachhinein überrascht feststelle, dass das Verhältnis von Frauen und Männern recht ausgewogen sei.

„Ich zähle Frauen auf offiziellen Bildern“
Bei Iris Laufenberg liegt die Sache etwas anders. „Ich zähle! Dieser Tipp wurde mir mit auf den Weg gegeben. Ich zähle Intendantinnen, ich zähle Frauen auf offiziellen Bildern und ich zähle Regisseurinnen. Das heißt, ich schaue sehr darauf, talentierte Frauen zu fördern.“ Auch weil sich diese oft nicht so gut vermarkten, nicht so gut im Gedächtnis verankern wie ihre männlichen Kollegen.

„Unser aller Ziel sollte sein, dass sich die Frage ob Mann oder Frau gar nicht mehr stellt“, findet Nora Schmid den perfekten Abschluss für unser Gespräch. Der Weg dahin scheint allerdings immer noch ziemlich weit zu sein.

Michaela Reichart
Michaela Reichart
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