13.02.2020 07:00 |

Rotwild-Gemetzel

„Wir wissen nicht, wer in Kaisers schoss“

Landesjägermeister Anton Larcher glaubt, dass kein Tiroler Jäger beim Rotwild-Gemetzel dabei war. Er spricht im Interview über emotionale Nächte, den Landesveterinärdirektor und Ideen, damit sich Kaisers nie wiederholt.

„Krone“: Herr Landesjägermeister, bei unserem Interview vom 1. Dezember 2019 haben Sie das Reduktionsgatter in Kaisers als allerletztes Mittel bei der TBC-Bekämpfung noch akzeptiert. Warum stimmen Sie jetzt in den großen Chor der Empörten ein?
Anton Larcher:
Uns wurde immer versichert, dass die Maßnahme tierschonend erfolgen wird, dann war es ohne Übertreibung ein Massaker. Ich muss betonen, dass die Causa mit der Jagd nichts zu tun hat, es geht um Maßnahmen der Veterinärbehörde nach dem Tierseuchengesetz.

Trotzdem gerieten die Jäger wieder ins Schussfeld?
Wir hatten Dutzende Reaktionen auf allen Kanälen – von Mails und WhatsApp bis zu Anrufen mit Rücktrittsaufforderungen gegen mich. Dann kamen aber auch Entschuldigungen, als Leute mitbekommen hatten, dass die Jägerschaft strikt gegen solche grausamen Methoden ist.

Wie bewältigen Sie solche Tage emotional?
Da liegt man schon einmal wach in der Nacht und fragt sich, warum man das Ganze überhaupt macht. Die Antwort liegt im großen Zuspruch durch die Jägerschaft, in den großteils einstimmigen Beschlüssen. Dass der Jägerverband an einem Strang zieht, verleiht mir die nötige Energie.

Mit dem Land scheint das Band aber vorläufig zerschnitten zu sein?
Ich kann es dem Landesveterinärdirektor nicht verzeihen, dass er mir sogar noch nach dem Massaker versichert hat, das Ganze sei tierschonend in zehn Minuten über die Bühne gegangen. Als ich selbst nach Kaisers gefahren bin, war ich noch optimistisch, dass die Aussagen von Zeugen in der Emotion vielleicht übertrieben waren – aber das war ein Irrtum! Entweder wurde der Landesveterinärdirektor selbst belogen oder er hat mir die Unwahrheit gesagt. Darauf kann eine Kooperation nicht aufbauen.

Wie geht es weiter?
Ich hatte zwei Gespräche mit Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler. Ich hätte mir ein Eingeständnis erwartet, dass im Fall Kaisers etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Letztlich werden wir weiter miteinander reden, der Fall muss aber Konsequenzen haben.

Sie denken auch an die Schützen, von denen Sie nicht wissen, wer sie sind?
Ich glaube nicht, dass es sich dabei um Tiroler Jäger handelt. Falls doch, ist es ein Fall für die Disziplinarkommission im Jägerverband.

Hätte es denn Alternativen gegeben, das Rotwild schonender zu erlegen?
Entscheiden muss das natürlich die Veterinärbehörde. Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Tiere mit einer Überdosis Betäubungsmittel zu erlegen. Da gibt es keinen Knall und keine Panik. So etwas ginge im Gatter auch an mehreren Tagen.

Die Wurzel des Übels war ja die mangelnde Erfüllung der Abschussquote. Gibt es diesbezüglich Rezepte?
Ein Grundproblem ist, dass das Wild heutzutage keine Ruhe mehr hat, weil der Wald fast rund um die Uhr frequentiert ist, in der Nacht von Sportlern mit Stirnlampen. An einem Samstag oder Sonntag werden Sie sich auf der Innsbrucker Nordkette schwer tun, ein Reh zu erlegen.

Gibt es diesbezüglich Lösungsansätze?
In der Schweiz existieren geschützte Wildruhezonen. Wer in Zermatt mit Skiern in eine solche hineinfährt, verliert die Saisonkarte. Hinzu müsste eine Besucherlenkung kommen. Vielleicht lernen wir durch schlimme Fälle wie Kaisers dazu.

Andreas Moser
Andreas Moser
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