16.01.2020 15:10 |

Interview

Wolfgang Hafner appelliert an die Vernunft

Wolfgang Hafner - er ist beim Betreiber APG Projektleiter für die Salzburgleitung - über Proteste, Dringlichkeit und Trassenverlauf.

In Bad Vigaun stoppen gerade Freileitungsgegner die Arbeiten im Wald. Lässt sich die APG noch bremsen?

Zur Klarstellung: Wir haben ein Projekt, das über 128 Kilometer geht. In sechs Bauabschnitten wird derzeit gearbeitet: Es geht um Vorbereitungen, Fällungen und Wegebauten.

Wie viel Natur zerstört der Trassenbau?

Die UVP-Prüfung hat uns über 500 Auflagen beschert. Es werden über 1000 Hektar Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Wir bauen hunderte Biotope, alle Baufelder werden mit Amphibien-Zäunen abgegrenzt. Balz-Zeiten – wie beim Auerhahn – werden eingehalten. Wir sind generell mit der Leitung sehr siedlungsfern unterwegs.

Das sehen besorgte Betroffene anders

Wir haben die Prämisse gehabt, diese Trasse so siedlungsfern als möglich zu planen. Das ist uns gelungen, sonst hätten wir keine UVP-Prüfung bestanden. Und, was gern vergessen wird: Wir demontieren mehr als 190 Kilometer bestehender 220- und 110-kV-Leitungen.

Die Leitung reicht aber bis auf 70m an Gebäude. Ist der Auerhahn wichtiger oder die Gesundheit der Menschen?

Das sind Ausnahmen. Man hat alle Fachbereiche untersucht. Wir sind bei den Grenzwerten 200-fach strenger als die WHO vorgibt.

Warum brauchen wir die Leitung überhaupt?

Um die Energiewende zu schaffen. Nur so können wir erneuerbare Energie ins Netz bekommen.

Aber 70 Prozent sind laut EU-Vorgabe rein für den Stromtransit reserviert

Da muss man unterscheiden: Die EU schreibt Kapazitäten an den Grenzen vor. Die 380 kV-Leitung ist aber auch Rückgrat für den lokalen Strombedarf (Salzburg AG). Salzburg kann sich übers Jahr nur zu 50 Prozent selbst versorgen. Es gibt drei Abstützungen, wo zugespeist werden kann: Elixhausen, Kaprun und ein neues Umspannwerk in St. Johann. Die Leitung ist Teil eines 380kV-Ringes, Salzburg ist noch Flaschenhals.

Aber in Kärnten gibt es auch noch eine Lücke?

Die Netzsituation ist dort eine andere.

Kommt ,böser’ Strom, um in Kaprun Greenwashing betreiben zu können?

Die Leitung geht erst 2024 ans Netz und Deutschland steigt 2022 ganz aus dem Atomstrom aus.

Warum schmettern Sie den Ruf nach einem Kabel ab?

Es ist nicht Stand der Technik. Da kommen immer falsche Behauptungen. In Holland ist nach zwei Jahren bei einer Versuchsstrecke eine Muffe explodiert. Wir können uns lange Ausfälle nicht leisten.

Die Freileitung ist dafür anfällig für Wind und Wetter?

Die Salzburgleitung wird nach neuestem Stand gebaut. Maststandorte sind geologisch im Detail untersucht worden.

Wie viel kostet die Leitung?

Mehr als 800 Millionen Euro. Investitionen werden über Netztarife finanziert. Derzeit wird weit über eine Milliarde Euro verbaut, darunter die ,Donauschiene’ (220kV) oder die Weinviertelleitung (380 kV).

Rechnen Sie mit weiteren Protesten beim Bau?

Das muss man sehen. Wir appellieren wirklich an die Vernunft der Bürger!

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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