03.12.2019 05:30 |

Schauspielhaus Graz:

Wenn „Josef und Maria“ sich im Kaufhaus treffen

Eine Putzfrau und ein Wachmann treffen am Heiligen Abend im Personalraum eines Kaufhauses aufeinander. Peter Turrinis Stück „Josef und Maria“ ist seit der Uraufführung 1980 ein Klassiker für die Weihnachtszeit. Ab Freitag ist er im Schauspielhaus Graz zu sehen. Ein Gespräch mit dem Trio, das es auf die Bühne bringt.

Vorhang auf für zwei einsame Seelen im Niemandsland der Konsumwelt: Putzfrau Maria wurde von ihrem Sohn vom Weihnachtsfest ausgeladen. Wachmann Josef ist ein glühender Sozialist, der sich zunehmend von seiner Ideologie verlassen fühlt. Was sie verbindet, ist ihre Einsamkeit: „Dass Leute abgehängt werden, keinen Halt mehr haben, ist kein neues Thema. Daher ist dieses Stück so aktuell“, sagt Michael Schilhan, der es am Schauspielhaus inszeniert.

Ein Klassiker in 21 Sprachen
In 21 Sprachen wurde das Stück seit seiner Uraufführung 1980 im Wiener Volkstheater übersetzt: „Obwohl es im großen Kaufhaus spielt ist das ein sehr intimes Stück, und wir arbeiten jetzt schon seit Wochen mit dem Mikroskop, um die kleinen Details zu treffen. Das ist die Königsdisziplin für Schauspieler. Ich bin froh, dass ich mit diesen beiden arbeiten kann“, so Schilhan mit Blick auf seine Darsteller Margarete Tiesel und Franz Solar.

„Es hilft natürlich, dass wir privat ein Paar sind und diese Intimität nicht besonders lange suchen mussten“, sagt Tiesel. Jede Probe beginnt zu Hause am Küchentisch. „Man muss an dem Text aber nichts aktualisieren, weil alles, was man darin findet, heute noch erschreckende Gültigkeit hat“, findet sie. Deshalb will Schilhan es auch nicht „gekünstelt modern“ auf die Bühne bringen, „altbacken“ soll es aber auch nicht sein.

„Eigentlich tragen beide Figuren eine große Theatralik in sich“, sagt Solar. Maria war einst Tänzerin, Josef als Statist an großen Theatern tätig: „Ich spiele diese kleinen Helden viel lieber als die großen“, ergänzt Tiesel, die auch als Filmschauspielerin vor allem in solchen Rollen zu sehen ist.

Entfremdung von der Welt
„Die beiden sind für mich aber nicht nur zwei individuelle Schicksale, sie spiegeln ein kollektives Problem wider“, sagt Solar. „Sie stehen für das Altern als Prozess der Entfremdung von der Welt. Plötzlich merken sie, dass die nächste Generation sie nicht mehr versteht.“

Und trotzdem geben sie die Hoffnung nie auf: „Was mir gefällt, ist, dass sie Stehaufmännchen-Mentalität beweisen und noch für etwas kämpfen im Leben“, so Solar. Und wer weiß schon was sie noch erwartet - vielleicht ja ein Weihnachtsmärchen?

Premiere ist am 6. Dezember, Termine bis 17. Jänner.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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