01.12.2019 09:00 |

Oberster Jäger spricht

Ist Massentötung von Rotwild im Gatter tragbar?

Zahlreiche emotionale Reaktionen löste der „Krone“-Bericht https://www.krone.at/2048446 über die im Lechtal geplante Massentötung von Rotwild aus. Die Behörde sieht den Abschuss in einem Gatter, das bei einer Futterstelle errichtet wurde, als letztes Mittel gegen die TBC-Gefahr, örtliche Jäger verweigern ihre Beteiligung. Im Interview nimmt nun Tirols Landesjägermeister Anton Larcher in der erbitterten Debatte erstmals Stellung.

Herr Landesjägermeister, wie ungewöhnlich ist eine Gatterjagd? Und ist der Jägerverband in einem solchen Fall wie in Kaisers vorher eingebunden und informiert?
Diese behördlich verordnete Maßnahme hat mit unserer alpenländischen Jagd nichts zu tun, sondern ist eine absolute Notmaßnahme. Wir sind grundsätzlich informiert, aber die Thematik ist eine, die primär Grundbesitzer, Pächter und Behörden betrifft.

Gab es nach dem „Krone“-Bericht Reaktionen aus der Jägerschaft oder von anderer Seite – etwa Forderungen, dass der Jägerverband einschreiten soll?
Es gibt nach derartigen Berichten immer wieder Reaktionen aus der Jägerschaft, aber auch aus der Bevölkerung. Wir sind schon seit Jahren tätig und versuchen, aufklärend zu wirken. Dies passiert auch grenzübergreifend mit unseren Nachbarn in Bayern und Vorarlberg. Dabei konnten wir maßgebliche Erfolge erzielen. Aber wie man sieht, sind wir auch nicht vor Rückschlägen gefeit.

Was spricht für die Sichtweise der Behörde, erfordert TBC auch aus Jägerverbandssicht derart drastische Maßnahmen?
TBC ist eine Seuche, die zum einen auf Rinder und zum anderen auch auf Menschen übertragbar ist. Das birgt natürlich Gefahren.

Was spricht für die Sichtweise der örtlichen Jäger und des ersatzweise beauftragten Bürgermeisters (Anm.: auch Jäger), die alle die Beteiligung an der Gatterjagd ablehnen?
Wenn man sich über Jahrzehnte hinweg um ein Jagdgebiet kümmert und dort weidwerkt, sein Wild hegt und gut kennt, ist jede derartig harte Maßnahme im höchsten Maße belastend und löst massive emotionale Reaktionen aus.Ha

Haben Sie Sorgen um das Jäger-Image, wenn letztlich doch Jäger – auch wenn von auswärts kommend – den Massenabschuss in Kaisers durchführen müssen?
Nein, weil es hier ausschließlich um eine behördlich verordnete Maßnahme geht, die der Eindämmung von TBC dienen soll.

Wild in Unruhe und schwer zu erwischen

Was macht es so schwierig, die geforderte Abschusszahl mit herkömmlichen Jagdmethoden zu erzielen – oder wäre der herkömmliche Abschuss doch eine Alternative?
Die herkömmliche Bejagung ist jedenfalls aus unserer Sicht zu bevorzugen. Das ist aber nicht so einfach, das Wild ist heutzutage oft in Unruhe, die Freizeitnutzung des Waldes ist enorm gestiegen, das geht hin bis zu Tourengehern mit Stirnlampen mitten in der Nacht.

Was würden Sie persönlich tun, wenn die Behörde in Ihrem Revier eine solche Maßnahme unter Ihrer Mitwirkung anordnen würde?
Die Frage stellt sich für mich nicht, da ich kein Rotwild-Revier habe. Klar ist, dass man alles tun muss, um ein derartiges Verfahren erst gar nicht in Kauf zu nehmen. Daher sind wir alle aufgerufen, die Wildstände - besonders in Gebieten mit TBC - entsprechend zu kontrollieren und gegebenenfalls auch zu reduzieren.

Andreas Moser
Andreas Moser
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